Leserdebatte : Karikaturenstreit im Abgeordnetenhaus

Frecher als die CDU erlaubt: Die Union wirft Parlamentspräsident Momper vor, mit einer neuen Schau Obama und Kohl zu verunglimpfen. Was meinen Sie? Teilen Sie uns und anderen Lesern unter diesem Artikel Ihre Meinung mit!

Lars von Törne
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Darf man das? Nein, findet die CDU im Abgeordnetenhaus.Zeichnung: Rainer Hachfeld

Der CDU-Abgeordnete Michael Braun ist jemand, der selbst gerne mal austeilt und weder Spott noch scharfe Worte scheut. Bei der Einladung zu einer Ausstellung, die ihm jetzt in die Hände fiel, hört für den kulturpolitischen Sprecher der Unionsfraktion aber der Spaß auf.

Darauf zu sehen sind unter anderem: US-Präsident Barack Obama, zwischen dessen Beinen eine Siegessäule phallisch in den Himmel ragt und der sagt: „Yes we can!“ Helmut Kohl und Theo Waigel, denen ein DDR-Bürger symbolisch den eigenen Kopf auf einem Tablett serviert. Und der Verleger Axel Cäsar Springer vor einem Schriftzug seiner „Bild“-Zeitung – bei der die Buchstaben in Anspielung auf die üblichen „Bild“-Inhalte durch Axt und Gewehrlauf, Busen und Penis dargestellt sind.

Für Michael Braun sind diese Zeichnungen nichts als „zotenartige Werke“, dem Niveau des Abgeordnetenhauses nicht angemessen. Dort sollen nämlich diese und 87 weitere Karikaturen des renommierten Zeichners Rainer Hachfeld demnächst drei Wochen lang ausgestellt werden. Die Einladung dazu ist unterschrieben vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD).

Dem hat CDU-Mann Braun nun einen Protestbrief beschrieben. „Ich ärgere mich oft über ihre parteipolitisch einseitige Führung des Präsidentenamtes, schätze aber ihre Ecken und Kanten, die in der Politik immer seltener werden“, schreibt Braun. Die Karikaturenausstellung von Hachfeld, der vor allem für die linke Tageszeitung „Neues Deutschland“ zeichnet, ist aus Brauns Sicht jedoch etwas, „das auch Ihr Niveau unterschreitet“, wie er Momper attestiert. Braun fordert den Parlamentspräsident auf, die Werke auf der Einladung nicht zu zeigen und bei der geplanten Schau „das Ansehen des Parlaments zu beachten“.

Der Auslöser der Debatte, Rainer Hachfeld, verfolgt den Streit amüsiert. Brauns Vorwürfe kann der 70-Jährige nicht nachvollziehen, zumal Braun manches missverstanden habe. So zeige ein inkriminiertes Bild von einem Adler, der einen Berliner Bären begattet, nicht etwa den Bundesadler, wie Braun schimpft, sondern den Brandenburger Adler – Hachfelds Kommentar zur Länderfusion. Mit ihrer Kritik an der Obama-Karikatur ist die CDU gar in guter Gesellschaft der linken Zeitung „Neues Deutschland“, wie Hachfeld spottet: „Die wollten die Karikatur nicht drucken.“ Dass Momper nun Bilder aus der Ausstellung zensiert, ist für Hachfeld ausgeschlossen: „Die Auswahl ist längst von ihm abgesegnet.“

Die Ausstellung „Rainer Hachfeld (70): 90 x Berlin“ wird am 17. März um 18 Uhr im Abgeordnetenhaus eröffnet (bis 5. April, Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr).

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