Lesung : Die Magie des Elefantenorchesters

Bartholomäus Grill, Südafrika-Korrespondent der Zeit, hat im Tagesspiegel aus seinem neuen Buch gelesen.

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Grill
Bartholomäus Grill (rechts) hat den afrikanischen Fußball mit nach Berlin gebracht. Norbert Thomma moderiert. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Bartholomäus Grill hat den afrikanischen Fußball mit nach Berlin gebracht. Sein Buch „Laduuuuuma – wie der Fußball Afrika verzaubert“ liegt vor ihm auf dem Tisch. Zwischen den Buchdeckeln tanzt und staubt es, es wird geträumt und gelitten. Grill erzählt von Superadlern und stolzen Löwen, unzähmbaren Elefanten, von einem Heiratsantrag für den Nigerianischen Stürmer Rashidi Yekini, der sich 1994 mit seinem Tor gegen Bulgarien unsterblich gemacht hat und von dem einzigen Menschen, der Idi Amin die Wahrheit sagen durfte.

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Der Saal war gut gefüllt. -Foto: Kai-Uwe Heinrich



Seit 1993 lebt und arbeitet Grill in Südafrika, er ist das, was man einen Afrika-Experten nennen würde, und, dass er sich selbst wahrscheinlich nicht so bezeichnen würde, macht ihn erst recht zu einen glaubhaften Zeugen dieses Landes, das längst so etwas wie seine zweite Heimat geworden ist. Wenn Grill über Südafrika spricht, wenn er seine randlose Brille zurecht rückt und zu lesen beginnt, legt sich Afrika auf seine Stimme. An diesem Abend lädt diese Stimme etwa einhundert Gäste im Salon des Tagesspiegel ein zu einem Kurztrip auf einen Kontinent, dessen innerer Kern, zumindest in „Laduuuuuma“, der Fußball zu sein scheint.

Die Geschichten in Grills Buch spielen auf staubigen Schotterplätzen, auf denen mit Bällen aus zusammen geknoteten Stoffresten gespielt wird und die Kinder von echten Nikes und der englischen Premier League träumen, in ihrer Fantasie neben Drogba stürmen. Für Grill ist der Fußball hier mehr als nur ein Spiel, er ist ein Opiat gegen die Armut. Zwischen den Geschichten lässt Grill das Publikum an diesem rauschhaften Ball teilhaben. Und aus dem Erzähler wird ein Augenzeuge, der gestenreich seine ganz persönlichen Augenblicke, die Geschichten hinter den Geschichten, lebendig werden lässt: Ein Treffen mit Rainer Zobel oder der 15. Mai 2004, an dem Grill zusammen mit hunderten Südafrikanern im Good Hope Centre in Kapstadt auf die Auslosung der Fußball WM gewartet hatte und plötzlich, als die Worte „South Africa“ auf einer Leinwand tausendfach vergrößert in der Kamera glänzten, im Auge des afrikanischen Freudensturms stand, vom Taumel mitgerissen wurde. In diesen Momenten, an dem die Lesung keine mehr ist, löst Grill die Distanz auf und man kann die afrikanische Euphorie, den Zauber, den der Fußball entfachen kann, auch in Berlin spüren. Ganz so, als hätte Grill seine Geschichten mit dem endlosen Elefantenorchester der südafrikanischen Vuvuzelas unterlegt.

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Der Autor hatte seinen Spaß. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

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