Letzter Akt : Seefestspiele: Das Spektakel kann beginnen

Die 18-Meter-Pyramide für die „Zauberflöte“ steht jetzt am Wannsee auf festem Grund. Das Spektakel nach dem Spektakel kann beginnen.

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Etwa 3900 Zuschauer erlebten am 11. August die Premiere von Mozarts „Zauberflöte“ bei den Seefestspielen am Wannsee – inklusive Sonnenuntergang.Weitere Bilder anzeigen
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11.08.2011 15:56Etwa 3900 Zuschauer erlebten am 11. August die Premiere von Mozarts „Zauberflöte“ bei den Seefestspielen am Wannsee – inklusive...

Regen liegt in der Luft – und eine Atmosphäre trotzigen Behauptens. Jetzt erst recht, das wäre doch gelacht! Wer am Freitag die erste öffentliche Präsentation der Seebühne im Strandbad Wannsee besuchte, dem lächelten Zuversicht und Entschlossenheit aus jedem Mitarbeitergesicht unterm Regencape entgegen. Es gibt ja auch allen Grund dazu, denn trotz aller Hürden ist das Projekt „Seefestspiele Berlin“ nicht untergegangen, sondern steht kurz vor der Premiere. Am Donnerstag soll sich Musa Nkuna als Tamino erstmals auf die Suche nach seiner Pamina (Sophie Klußmann) machen, in der wohl populärsten Oper aller Zeiten: Mozarts Zauberflöte.

Der Weg dahin war eine Achterbahnfahrt. Der Plan der Deutschen Entertainment AG (DEAG), in Berlin Seefestspiele nach dem Vorbild von Bregenz zu veranstalten, war schlecht vorbereitet. Zweimal musste der Standort wegen fehlender Genehmigungen korrigiert werden, erst wurde er von Potsdam ins Strandbad Wannsee verlegt, dann vom Wasser aufs Land. Jetzt steht die Bühne hoch über dem See auf einer Wiese gleich am Eingang des Strandbades. Die magische Wirkung einer schwimmenden Bühne hat das nicht mehr, aber der See bildet immer noch eine schöne Kulisse.

In all dem Wirbel ist die künstlerische Seite bisher zu kurz gekommen. Am Pult der Kammerakademie Potsdam wird Judith Kubitz stehen. Die in Bautzen geborene Sorbin ist seit 2007 Kapellmeisterin in Schwerin und hat dort unter anderem „Cosi fan tutte“ dirigiert, ebenfalls von Mozart. Regisseurin Katharina Thalbach ist bei der Probe am vergangenen Freitag abgetaucht, sie will sich auf die wenigen verbleibenden Probentage konzentrieren und nicht mit der Presse sprechen. Geäußert hat sie sich aber schon vorher ausführlich: Dass sie bereits drei Mal gefragt wurde, ob sie die „Zauberflöte“ inszeniert, und drei Mal nein gesagt hat. „Ich habe einen Mörderrespekt vor dem Stück“, sagt sie. Weil es so schwer zu erzählen sei. „Zum Beispiel die Tatsache, dass die Königin der Nacht das Böse und den Aberglauben verkörpert. Ständig werden wir Frauen in diesem Stück fertiggemacht. Weise Männer müssen uns begleiten, alleine sind wir sowieso unfähig. Dann darf man der Königin die Tochter klauen, und das wird dann auch noch gerechtfertigt.“ Alle das findet Katharina Thalbach höchst kompliziert.

Jetzt macht sie es aber doch – auch wegen Intendant Christoph Dammann, mit dem sie an der Oper Köln gut zusammengearbeitet hat. Ihre einzige Bedingung: Guntbert Warns, eher als Schauspieler denn als Sänger bekannt, soll ihr Papageno sein. Momme Röhrbein hat Thalbach ein Bühnenbild „geschenkt“, wie sie es nennt, dessen auffälligstes Merkmal eine 18 Meter hohe Pyramide mit Durchguck zum See ist. Die Schlange, die Tamino im ersten Akt verfolgt, kann jetzt natürlich nicht mehr von dort kommen, aber Chelsey Schill als Königin der Nacht wird ihren ersten Auftritt wohl doch, wie geplant, im Hubkran absolvieren.

Kritische Stimmen zu diesem Spektakel gibt es natürlich auch. Wozu noch eine weitere „Zauberflöte“ in Berlin? Und: Bringen solche Events, wie sie ja auch der Regisseur und Dirigent Christoph Hagel gerne betreibt, die Oper wirklich näher zu den Menschen, oder stehen sie im Gegenteil einem wirklichen Verständnis eher im Wege? 

Peter Schwenkow ficht das nicht an. Er nimmt einen langen Zug aus seiner Zigarette und verweist auf die Kartenverkäufe, die sich in den letzten Tagen noch einmal verdoppelt hätten. Einer wie er will Geld verdienen, und das kann er natürlich mit kaum einem Stück so gut wie mit der Zauberflöte. Eine „göttliche Komödie“ sei es, was Katharina Thalbach auf die Beine stelle. 3900 Besucher, das sind 1000 Plätze weniger als geplant, haben ab Donnerstag die Möglichkeit, das zu prüfen. Wenn alles gut geht, lassen sie sich ja vielleicht zu dem Ausruf hinreißen: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön, wie noch kein Auge je geseh’n.“

„Die Zauberflöte“, 11. bis 28. August. Tickets unter www.tagesspiegel.de/shop

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