Lichterfelde : Katzenmuseum: Nur die Pfote zählt

Bilder, Lampen, Figuren, sogar Schuhspanner mit Katzen-Emblem. 4000 Exponate hat ein Ehepaar aus Lichterfelde gesammelt und stellt sie zu Hause aus.

 Eva Kalwa
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Die Katzen-Kümmerer. Familie Glantz hat in den vergangenen 40 Jahren auf Berliner Flohmärkten, im Antiquitätenhandel und auf...

Sein ganzes Leben lang hat Helmut Glantz bloß eins geschenkt bekommen: Katzen. Niedliche Porzellanfiguren, schlafende Haustiger in Öl und Acryl, zierliche Stickereien mit spielenden Kätzchen; Lampen, Taschen, Skulpturen, Spieluhren, Mobilees, Geschirr, Schuhspanner, Rauchverzehrer, Sonnenbrillen, Schmuck – Katzenmotive, wohin das Auge nur blickt.

Zusammen mit allen Objekten, die Glantz in den vergangenen 40 Jahren auf Berliner Flohmärkten, im Antiquitätenhandel und auf Reisen im Ausland gekauft hat, ist eine Sammlung von über 4000 Exponaten entstanden, die der 75-Jährige zusammen mit seiner Frau in seinem privaten Katzenmuseum in Lichterfelde ausstellt. Es ist eins von nur wenigen in ganz Deutschland und das einzige Katzenmuseum in Berlin, wo weitere Privatmuseen mit anderen Schwerpunkten existieren: Unter anderem für Sticker in Friedrichshain, für Devotionalien der Punkrockgruppe Ramones in Mitte oder für alte Zweiräder in Kreuzberg.

Glantz Liebe zu den schnurrenden Vierbeinern währt schon sehr lange. Seine erste lebendige Katze heißt Uschi, der 14-Jährige kauft sie 1947 einer benachbarten Gärtnerei für ein halbes Pfund Zucker ab, das ihm seine Mutter schenkt. Bald darauf hält der Jugendliche stolz seine erste Porzellanfigur in Händen, ein spielendes Kätzchen aus der thüringischen Manufaktur Gräfenthal, für einen Groschen hat er sie beim Ringewerfen auf dem Rummel in Steglitz gewonnen. Hauskatze Uschi bekommt in den folgenden Jahrzehnten viele Nachfolger, mit seiner Frau hat der pensionierte Bankangestellte in 35 Jahren über 15 Katzen ein neues Zuhause gegeben. „Zu uns kamen immer nur Second-Hand-Katzen, die in Not waren oder die andere nicht mehr haben wollten“, erzählt Barbara Paul-Glantz, zurzeit hat das Paar drei Katzen. Auch die 69-Jährige ist von frühester Jugend an mit dem Felidae-Virus infiziert, daher fällt es ihr leicht, die Sammelleidenschaft ihres Mannes zu teilen.

Als vor rund neun Jahren eine Wohnung im Haus frei wird, überlegen beide nicht lang: Der kleine Salon mit den schönen Holzvitrinen, der lange ausreichte, gleicht wegen des steten Wachstums der Sammlung mittlerweile einem Abstellraum, mehr Platz muss her. Den findet das Paar ein Stockwerk höher. Ein Raum wird mit edlem Geschirr und Porzellan der Manufakturen Rosenthal, Meissen und Reutter eingerichtet, ein anderer mit Katzenfiguren aus beinah jedem Material in jeder Form und Größe bestückt und in der sogenannten Bauernstube werden die eher rustikalen Stücke gezeigt. Katzenfreunde aus ganz Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern besuchen seither das mit viel Sorgfalt gestaltete Museum, das dicke Gästebuch ist voller Lobes- und Dankesworte. Denn in der kleinen angeschlossenen Küche werden die Gäste im Fall einer weiten Anreise nicht nur mit Kaffee und Kuchen bewirtet, sie können hier auch ihren Geburtstag feiern, und spannende Geschichten zu den interessantesten Exponaten bekommen sie stets dazu.

Denn Raritäten und Kuriositäten gibt es in der Ausstellung viele. Zum Beispiel in der DDR gefertigte Porzellanfiguren aus dem Musical Cats, ein großer gestiefelter Kater aus den zwanziger Jahren, eine Teddykatze aus Belgien oder ein edles Mocca-Geschirr. Dies ist sogar ein Unikum, das die bekannte Porzellanmalerin Melanie Foster mit den Bildnissen aller Katzen des Ehepaares Glantz verziert hat. Zu bestaunen sind außerdem kleine Parfumflakons, die japanische Künstler mittels eines hauchdünnen Pinsels von innen bemalt haben. Oder eine Sammlung ausgeblasener Eier, von Hühner-, über Gänse- bis zu Straußeneiern, auf denen mit zartem Strich Szenen kätzischen Lebens zu sehen sind – was sonst. „Das Sammeln ist eben eine Sucht, das braucht man nicht zu beschönigen“, sagt Glantz und lächelt. Ihn habe es stets glücklich gemacht.

Luisenstraße 38. Lichterfelde. Besichtigung nur nach Voranmeldung unter der Telefonnummer 772 51 49.

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