Lichtkunst im Tiergarten : Leuchtwürfel, Regenbogen und Wattewolken

Ein Streifzug durch den Tiergarten lohnt ab heute besonders – allerdings erst nach Einbruch der Dunkelheit. Elf Lichtkunstwerke veredeln Büsche und Seen.

G,a Bartels
Lichtparcours Tiergarten
Filigran: Ein Lichtkubus der Künstlerin Susanne Rottenbacher im Berliner Tiergarten. -Foto: ddp

Tagsüber transparent und abends ein massiver Farbwürfel – das sind die roten und blauen „Colour Cubes“. Die effektvolle Lichtkunst aus Gaze und Leuchtdioden markiert den Eingang der „Lichtberlin“ auf der Allee gegenüber vom Schloss Bellevue. Der Parcours aus elf Lichtkunstwerken internationaler Künstler lässt ab heute den Tiergarten glühen.

Die Lichtkünstlerin Susanne Rottenbacher, 38, und Lichtplanerin Katrin Söncksen, 41, haben das Ganze im letzten Herbst ausgeheckt. „Als wir beim Bezirksamt angerufen haben, haben die erstmal den Hörer aufgelegt“, erzählt Katrin Söncksen lachend. So kurz nach der WM-Fanmeile und anderen Park strapazierenden Festivitäten waren die Grünflächenwächter misstrauisch. „Aber weil wir klar machen konnten, dass wir was ganz Stilles, Poetisches und keinen Halligalli wollen und die Naturschutzauflagen erfüllen, gab’s dann Unterstützung“, sagt Susanne Rottenbacher. Inzwischen sind alle begeistert.

Wie Ufos tauchen die Dinger aus dem Dunkel auf. Große weiß glimmende Wattebäusche, die wundersam über dem Boden schweben. „Japanischer Wolkengarten“ heißt die hinreißende Lichtskulptur. Je näher man kommt, desto deutlicher sind die stützenden Metallstäbe und die Struktur des gewachsten Japanpapiers zu erkennen, aus dem sie gemacht ist.

Neueste energiesparende Lichttechnik macht’s möglich: die Lichtobjekte verbrauchen an den elf Ausstellungstagen nur 1000 Kilowattstunden Strom, also etwas über 200 Euro. Und damit keine Insekten von der Flugbahn abkommen, haben die Künstler extra diskrete rote Leuchtbaken als Leitlichter auf dem Pfad zum Rhododendronhain, Rosengarten und zur Luiseninsel aufgehängt. Die sind nötig, denn gelegentlich geht’s auf dem Weg zur Kunst ins Unterholz. Graulen muss sich trotzdem keiner im abendlichen Tiergarten: Sicherheitsleute schlendern rund um die Uhr an den bis Mitternacht leuchtenden Installationen vorbei. Und außerdem kann man sie per Rikscha, Fahrrad oder geführter Tour besuchen.

Am Rousseau-Teich glüht es grünlich auf der Wasseroberfläche. Das ist die „Eisinsel“ des Berliner Lichtkünstlers Hans J. Wiegner. „Lichtkunst in die romantische Gartenarchitektur des Tiergartens zu bringen ist eine wildromantische Idee“, findet er. Da habe er sich für seine Arbeit von Caspar David Friedrichs romantischem Gemälde „Eismeer“ inspirieren lassen. Zwei andere flächige Skulpturen, die wie zauberhafte Wasserblumen in der Nähe dümpeln, sehen tagsüber gar nicht romantisch aus: die eine besteht aus Inseln zusammen gebundener Plastikflaschen, die andere aus karierten Rieseneinkaufstaschen.

Lichtspektakel haben Tradition in Berlin. 1928 feierte sich die Glitzermetropole mit dem von der Beleuchtungsindustrie getragenen Illuminationsfest „Berlin im Licht“. Und im Oktober setzt die Lichterschau „Festival of Lights“ wieder die Wahrzeichen der Stadt kunterbunt in Szene. Mit diesen lauten, werbewirksamen Lichtaktionen wollen die Ausstellungsmacherinnen nichts zu tun haben, auch wenn das Logo der „Lichtberlin“ ein rustikaler Berliner Bär mit Freiheitsstatuenfackel ist.

„Wir tauchen absichtlich in die Dunkelzone der Stadt ein“, sagt Susanne Rottenbacher, die genau wie Katrin Söncksen so prominente Orte wie Regierungsviertel und Museumsinsel beleuchtet hat. Stille Orte im frisch renaturierten Tiergarten ließen sich durch die Lichtkunst neu entdecken. Der zukünftig alle zwei Jahre statt findende Lichtkunstparcours soll ein „Geschenk an Spaziergänger sein“, sagen beide leicht verlegen. Wenn man nachts im schweigsamen Rosengarten steht und sieht wie der Mond mit der spektralfarbenen Skulptur „Ein Regenbogen fing sich im Rosengarten“ um die Wette leuchtet, glaubt man das sofort.

Der Lichtkunstparcours „Lichtberlin“ leuchtet bis zum 7. Oktober immer von 18 Uhr bis Mitternacht. Der Eingang befindet sich am Spreeweg, gegenüber vom Schloss Bellevue. Eintritt wird nicht verlangt. Weitere Informationen zu der Veranstaltung sind im Internet unter der Adresse www.lichtberlin.de erhältlich.

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