Literatur : Adorf liest Liebesbriefe

Neue Schätze für Alexander-Granach-Fans: Im Ölbaum-Verlag ist ein Buch mit 279 Liebesbriefen des jüdischen Schauspielers erschienen - adressiert an seine Lebensgefährtin Lotte Lieven. Granach-Bewunderer Mario Adorf ist aus Kapstadt angereist und hat in der Akademie der Künste aus dem neuen Buch vorgelesen.

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Adorf

Mario Adorf hat seinen Dreh unterbrochen und ist extra aus Kapstadt angereist. Er macht eine tiefe Verbeugung vor dem Mann, der ihn vom Buchumschlag mit gefurchter Stirn anschaut. „Dies ist die schönste Autobiografie eines Schauspielers, die ich kenne“, sagt der Mime im vollbesetzten Saal der Akademie der Künste am Pariser Platz. Adorf, graues Haar, weißer Bart bis an die Ohren, meint die Memoiren des Schauspielers Alexander Granach. „Da geht ein Mensch“, ein Kultbuch, das kurz nach Granachs Tod im Jahre 1945 erschien.

Nun aber hält Mario Adorf einen neuen Schatz für alle Granach-Fans in der Hand. „Du mein liebes Stück Heimat“ heißt ein neues Buch mit Briefen des Schauspielers aus dem Exil, adressiert an seine Lebensgefährtin Lotte Lieven. 279 Briefe hat die Akademie bekommen, der Ölbaum-Verlag präsentiert und Mario Adorf liest sie und lässt damit Granachs „Emigrantenpsychose“, sein Getriebensein als „König der Ostjuden“, wie sie ihn im Berliner Scheunenviertel nannten, aber auch seine große traurige Sehnsucht zu Lotte Lieven lebendig werden. Er traf sie alle, Erwin Piscator, Ernst Busch, Carola Neher, Wangenheim, Brecht, erst in Moskau, dann, vom Stalinismus geheilt, in den USA, Ernst Lubitsch, Feuchtwanger, Fritz Kortner, die Bergner.

Spannende Geschichten sind diese Briefe vom „Neger“, wie er sich nennt, Zeitgemälde und ein bisschen Klatsch und Tratsch. Den steuert an diesem beglückenden Abend ein Überraschungsgast bei, den Akademiepräsident Klaus Staeck und Publizist Henryk M. Broder mit Freuden begrüßt: Sohn Gad Granach, der 93-jährige „junge Mann aus der Ewigen Stadt“, Sprechsteller“, wie er sich nennt, ein verschmitzter Anekdotenerzähler. Wunderbar! Lo.

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