Literaturfest : Lesen und lauschen

Der Verein ruft und die Fans kommen: Beim Literaturfest am Kollwitzplatz werden am Sonntag bis zu 15.000 Bücherfreunde erwartet.

Andreas Conrad
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Bücher und mehr. Aus dem Fotoband "Kollwitzplatz" -Foto: Stefan Maria Rother

Es mag Zufall im Spiel gewesen sein, aber es wirkt wie geplant: Ein Bücherfest auf einem beliebten Stadtplatz, wo ein Verlag seinen neuen Fotoband über genau diesen Platz vorstellt. Darin abgebildet der Buchladen, in dem der das Fest veranstaltende Verein eine Heimstatt gefunden hat. Volltreffer, Punktlandung, Maßarbeit – und noch dazu ein hübscher Bildband, der besonders die Menschen in den Mittelpunkt rückt. Der Fotograf Stefan Maria Rother legt diesen Band über den Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg vor (Berlin Story Verlag, 80 Seiten, 16,80 Euro), und er stellt ihn an diesem Sonntag auf dem Literaturfest vor.

Es ist bereits das zwölfte Fest, wie üblich eingebettet in die Literaturwoche Prenzlauer Berg, die eine Handvoll sehr aktiver Bücherfreunde, zusammengeschlossen im Verein Literaturort Prenzlauer Berg, Frühjahr für Frühjahr zuwege bringt. In diesem Jahr besonders erfolgreich: Beim sonntäglichen Fest können Lesehungrige diesmal zwischen 75 Ständen, meist von Berliner Verlagen, Buchhandlungen, Antiquariaten, stöbern. Das ist Rekord am Kollwitzplatz. Je nach Wetterlage zwischen 10 000 und 15 000 Besucher locke solch ein Fest an, sagt Detlef Bahr, Mitglied im Vereinsvorstand und Mitarbeiter in dem am Kollwitzplatz gelegenen, im Fotoband gezeigten Georg-Büchner-Buchladen.

Kein der Dichtkunst geweihtes Fest ohne Literaturpreis, auch am Kollwitzplatz wird an dieser Tradition festgehalten. Die Preisträger, die man am Sonntagnachmittag auf der Festbühne ehrt, werden bereits am Sonnabend ausgewählt. Mehr als 400 Einsendungen gingen diesmal ein, die dreiköpfige Jury, darunter Tagesspiegel-Literaturredakteur Gerrit Bartels, hat über eine Vorauswahl von zehn Texten zu entscheiden.

Eingebettet ist die sonntägliche Preisverleihung in ein nachmittagfüllendes Bühnenprogramm mit Lesungen, Gesprächen und wieder Lesungen. Das zielt anfangs vor allem aufs junge Publikum, beispielsweise präsentiert ein jugendlicher Leseclub – doch, das gibt es – seine Lese-Empfehlungen. Die Erfolgsautorin Julia Franck trägt die Geschichte von Daidalos und Ikaros vor, kein eigenes Werk also, anders als Daniela Dahn, die aus ihrem neuen Buch „Wehe dem Sieger! – Ohne Osten kein Westen“ liest. Später folgen unter anderem der „Abendschau“-Moderator Michael Flotho mit seinen biografischen Erinnerungen „Wie ich mich in Barbra Streisands Mann verliebte“ und zuletzt Autorin und Schauspielerin Sophie Rois, die aus Ian McEwans schon etwas älterem Werk „Erste Liebe, letzte Riten“ liest.

Die Literaturwoche ist mit dem Fest aber noch lange nicht zu Ende. Klar, dass das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls in diesem Jahr ein Schwerpunkt der Veranstaltungen sein wird. Die Woche mündet am 26. Juni in eine Lange Nacht der Lyrik in der Bibliothek am Wasserturm. Überraschenderweise lesen dort nur Männer. Aber das mag auch wieder Zufall sein.

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