Loveparade : Parade im Pott - Verlust für Berlin?

Die Loveparade ist weg aus Berlin. War die Veranstaltung hier nicht länger gewollt? Was ist im Vorfeld schief gelaufen? Beim Senat wundert man sich, "warum sie dieses Jahr so rumgezickt haben" - vielleicht ja, weil das Ruhrgebiet mit günstigen Bedingungen lockte.

Sophie Guggenberger
Loveparade
Die Loveparade ist umgezogen. Tier- und Umweltschützer atmen gemeinsam mit dem Berliner Tiergarten durch. Aber ist der Hauptstadt...Foto: ddp

"Die Stimmung war unglaublich, noch besser als in Berlin", jubelt Rainer Schaller am Ende der Loveparade in Essen. Schaller ist der Geschäftsführer der Tanzparade, die in diesem Jahr unter dem Motto "Love is Everywhere" erstmals ihre Runde durch das Ruhrgebiet zog. Bis 2011 wird der Techno-Tanz auch dort bleiben - und von Stadt zu Stadt herumgereicht. 2008 ist die Technotour in Dortmund, in den Jahren darauf tanzt man in Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen.

Hat der Senat etwas falsch gemacht? Michael Braun, kulturpolitischer Sprecher der CDU, meint, es sei eine Schande, dass Berlin die Loveparade weggenommen wurde. Braun wirft dem Senat vor, er sei "an dem Schlamassel Schuld". Auch Rainer Schaller betont: "Die Loveparade ist in Berlin nicht länger gewollt".

Senat fühlt sich "nicht fair" behandelt

Petra Rohland, Sprecherin der Stadtentwicklungssenatorin, weist die Vorwürfe zurück: "Obwohl die Veranstalter der Loveparade einige Voraussetzungen und Auflagen noch nicht erfüllt hatten, signalisierten wir ihnen unsere Unterstützung samt Bereitschaft für eine Durchführung der Loveparade in Berlin". Das kam quasi einer Zusage gleich. Auch der Senat sei mit der Entscheidung gegen Berlin kalt erwischt worden. "Es war eine unschöne Geschichte. Wir haben es damals selbst erst aus der Pressekonferenz erfahren", sagt Rohland. "Wir waren sehr überrascht über die unerwartete Entscheidung", so Rohland weiter, "der Umgang war einfach nicht fair."

Woran mangelte es? An der Kommunikation hat es laut Senat gewiss nicht gehapert. Man habe alles getan, um die Loveparade in Berlin zu halten, bestätigt Rohland. "Warum sie dieses Jahr so rumgezickt haben, weiß ich nicht".

Vielleicht sahen es die Veranstalter als Hindernis, dass Berlin keine langfristige Zusage von mehreren Jahren mehr geben konnte. Schließlich hatte sich Ralf Lipus, Sprecher der "B-Parade", den traditionellen Termin am zweiten Juliwochenende schon frühzeitig für die Jahre 2008 bis 2011 reserviert. Er habe eigenen Angaben zufolge in seine Konkurrenzveranstaltung bereits zwei Jahre Arbeit und rund 80.000 Euro investiert. Standort-Bedingungen und Voraussetzungen hätten demnach neu verhandelt werden müssen.

Essen lockt mit günstigen Bedingungen

Möglicherweise hat aber auch das Ruhrgebiet die Loveparade mit günstigen Bedingungen angelockt. "Die Veranstaltung hat uns rund 250.000 Euro gekostet", sagt Detlef Feige, Pressesprecher der Stadt Essen. Jedoch habe es "kein finanzielles Entgegenkommen" bei der Müllbeseitigung gegeben. Schaller habe sich darum kümmern müssen - nicht die Stadt. Unterstützung seitens der Stadt Essen gab es aber dennoch: Ein "spezielles Koordinierungssystem" wurde eigens für die Loveparade eingerichtet, übliche Verwaltungswege verkürzt und Auflagen heruntergesetzt - beispielsweise der Grenzwert des Lärmpegels bis aufs Äußerste ausgereizt. "Jedes Stadtamt, quasi die gesamte Stadt" sei seit Anfang des Jahres involviert gewesen, aber ansonsten habe es "keine Sonderspiele" für Schaller gegeben, sagt Feige.

"Es war leicht, die Loveparade herzuholen", sagt Hanns-Ludwig Brauser schnippisch. Der Geschäftsführer der "Wirtschaftsförderung metropoleruhr" fungiert als Mediator zwischen Schaller und den Bürgermeistern der fünf beteiligten Städte. "Wir haben Schaller ein Angebot gemacht und ihm jede Art von Hilfestellung zugesichert", so Brauser. Das sei auch das schlagende Argument, warum die Loveparade schließlich im Ruhrgebiet gelandet und so erfolgreich gestartet ist.

Wirtschaftsfaktor Loveparade

Einige Berliner sind gewiss glücklich über den Abzug der Loveparade aus der Hauptstadt. Auch Tier- und Umweltschützer werden gemeinsam mit dem Berliner Tiergarten durchatmen. Aber Berlin ist doch ein ganzes Stück Jugendkultur verloren gegangen. "Wir sind darüber nicht glücklich, dass die Loveparade weg ist, aber wichtig ist, dass sie überhaupt stattfindet", findet Petra Rohland und gibt zu: "Es ist ein Verlust für Berlin, dass die Loveparade ins Ruhrgebiet abgewandert ist". Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht sei die Loveparade eine wichtige Veranstaltung gewesen. Schätzungen zufolge lassen allein 500.000 Berlin-Besucher rund 50 Millionen Euro in der Hauptstadt.

Die Stadt biete jedoch genug Alternativen, auch wenn sie nun um eine Attraktion ärmer sei. Durch den Wegfall entstünde keine Lücke, meint Rohland. "Für erneute Gespräche sind wir aber jederzeit offen", betont sie. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Loveparade nicht doch noch mal den Weg in ihre Heimat findet.

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