Luftfahrt : Ab nach oben: Wo man in der Region fliegen kann

Ballon, Doppeldecker, Hubschrauber, Rosinenbomber - in Berlin und Brandenburg gibt es viele Gelegenheiten zu luftigen Abenteuern.

Andreas Conrad
tragschrauber
Oben ohne bevorzugt. Die Brandenburger Polizei testet den Tragschrauber für dienstliche Zwecke. -Foto: dpa

Dem Alten Fritz auf den Kopf spucken, nein, das macht man nicht, aber möglich wäre es schon. Gerade sind wir über die Havel bei Potsdam geknattert, hunderte Meter unter uns quirlt „Moby Dick“, beladen mit Ausflüglern, grünschillernde Algenschlieren durch, und gleich überqueren wir Sanssouci, wie Kinderspielzeug liegt es zu unseren Füßen. Weiter rechts ragen winzig die Türme und Hochhäuser von Berlin in die blaue Ferne, und ganz hinten im Südosten, 60 Kilometer Luftlinie, dieser silbrige Knubbel am Horizont, tatsächlich: „Tropical Islands.“

Was für ein Tag zum Fliegen. Nur leichter Dunst in der Ferne, na und? Sonst engen winzige Plexiglasscheiben den Blick in die Weite ein, jetzt braust zwischen uns und der Welt nur der Fahrtwind. Allerdings, auch vom Abgrund trennt uns nicht viel, nur die dünne blaue Schale unseres fliegenden Cabrios, so fragil, dass Steffi Peters, die junge Pilotin des zweisitzigen Gyrocopters, beim Einsteigen gebeten hat, nicht auf den Boden, sondern nur auf die stabilen Pedale zu treten.

Längst sind alle Ferienflieger wieder gelandet, die Träume von Freiheit jenseits der Wolken zu Ende. Aber Gelegenheiten zu kleinen Himmelsfluchten, zum luftigen Abenteuer zwischendurch, gibt es allemal, gerade in Berlin und der näheren Umgebung. Zahlreiche Flugschulen und -vereine, professionelle Enthusiasten der Himmelstürmerei in unterschiedlichster Form und Technik, warten nur darauf, auch erdenschwere Bewunderer ihrer Kunst, die selbst nie einen Steuerknüppel anfassen würden, gegen Entgelt mit nach oben zu nehmen. Manch einer erfüllt sich so einen Kindheitstraum, Kleingeld und Schwindelfreiheit vorausgesetzt.

In diesem Fall begann er 1967 im Kino, in „Man lebt nur zweimal“, als James Bond mit „Little Nelli“ vier ausgewachsene Hubschrauber erledigte, „ein rassiges Mädchen, ein bisschen klein, aber viel Temperament“ – kurz: ein Gyrocopter, auch Tragschrauber genannt, eine Art Hubschrauber, nur dass der Motor einzig den Heckpropeller antreibt, der unser vibrierendes Ei vorwärts schiebt, während der Rotor über uns sich allein durch den Fahrtwind wie rasend dreht. Aufgestiegen sind wir vom Flugplatz Saarmund, südwestlich von Berlin, eine Graspiste, um die sich Baracken, der Mini-Tower und ein Café gruppieren – Treffpunkt für eine eingeschworene Gemeinschaft von Luftsportjüngern. Seit den zwanziger Jahren kann man dort in die Luft gehen, erst per Segelfliegerei, die dort noch immer betrieben wird, dazu kommen heute Ultraleichtflugzeuge, Drachen, Gleitschirme, Ballons – und unser fliegendes Ei.

Das findet an diesem Schönwettersonntag viel Gesellschaft. Wer irgendwie fliegen kann, ist in der Luft, ein weiterer Gyrocopter, Segelflugzeuge, Einmotorige, motorisierte Hängegleiter, auch Trikes genannt, und jetzt taucht über Potsdam auch noch der Rosinenbomber aus Tempelhof auf, die DC-3 des Air Service Berlin, des größten hiesigen Anbieters solch luftiger Vergnügen. Seine Zeit im Zentrum der Stadt ist befristet, authentisches Luftbrücken-Gefühl gibt es ab Ende Oktober nur noch in der Luft, nicht mehr auf der Originalpiste. Schon wirbt das Unternehmen mit den letzten Flügen ab Tempelhof, zieht dann nach Schönefeld um. Auch die Lufthansa muss künftig mit ihrer Ju-52 dort starten und landen, noch so eine alte Dame des Luftverkehrs, die nicht ständig, aber regelmäßig über Berlin kreist.

Manch einem ist selbst das zu modern, und er sucht das Ursprüngliche, will zwar nicht selbst Flugpionier sein, aber dessen Kunst so nah wie möglich, am besten am selben Ort. Vom Lichterfelder „Fliegeberg“, wo Otto Lilienthal Lufthopser machte, geht das nicht mehr. Am Gollenberg in Stölln dagegen, nördlich von Rathenow, wo er erstmals nicht nur geradeaus schwebte, sondern auch kurvte (und tödlich verunglückte), wird noch immer geflogen. Ein Sehnsuchtsort für alle Flugenthusiasten. Eine alte, zum Museum umgebaute Iljuschin steht dort, es gibt Denkmäler für Lilienthal und seinen Mechaniker – und den Flugsportverein Stölln/Rhinow. Wer am Wochenende bei den Segelfliegern vorbeischaut und das verlangte Entgelt zahlt, darf mit – lautlos auf Lilienthals Spuren. Rasch wird er aber merken, dass auch ein in der Ferne elegant dahingleitender Flieger aus der Nähe betrachtet eine wackelige Sache sein kann.

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