Lustspiel : Im Weißen Rössl am Müggelsee

Das Stadttheater Cöpenick macht Operette. Sein Publikum sieht von der Terrasse des Berliner Bürgerbräus aus zu.

Frederik Hanssen

Der Berliner Trikotagenfabrikant und Erfinder der vorne geknöpften Hemdhose „Apollo“, Wilhelm Giesecke, ist der Publikumsliebling in jeder Inszenierung des „Weißen Rössl“. Besonders in der Neuproduktion des Operettenklassikers vom Cöpenicker Stadttheater sind ihm jetzt die Lacher garantiert sicher, wenn er im Angesicht des Salzburger Alpenpanoramas immer wieder grantelt: „Der Müggelsee ist mir lieber!“ Das Publikum sitzt bei dieser „Rössl“-Aufführung nämlich auf der Terrasse des Berliner Bürgerbräu mit Blick auf eben jenen Müggelsee, an den sich der Piefke auf Österreich-Urlaub zurücksehnt.

Gieseke-Darsteller Manfred Richter und der Ort des Geschehens sind die Trümpfe dieser rustikalen Lustspiel-Produktion des 1889 gegründeten Familientheaters aus dem Berliner Südosten. Intendant André Nicke gibt höchstselbst den Zahlkellner Leopold, klingt dabei wie Zarah Leander, sieht aus wie Alexander Klaws und würzt seine Darstellung des alerten Obers sogar mit einer Prise Selbstironie. Röhrende Hirsche, glühende Berggipfel und ein putziges Wirtshaus formieren sich, liebevoll in Öl gepinselt, zum Bühnenbild, am Elektroklavier sitzt Marina Langhoff im Dirndl und auch sonst präsentiert sich das Unternehmen als krachledernes Vorstadt-Volkstheater. Heimatlos gewordene Berliner Operettenfans, die keine gehobenen Interpretationsansprüche stellen, dafür aber gerne ein Frischgezapftes auf Biergartenbänken genießen, finden hier ihre Sommerfrische.

Bis 29. Juli, Infos unter Tel.: 70 71 72 52 oder www.stadttheatercoepenick.de

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