Madame Tussauds : Hitler und Marlene

Schon vor der Eröffnung gibt es Ärger um Madame Tussauds’ Wachsfigurenkabinett.

Marlene
Täuschend echt. Marlene Dietrich als Wachsfigur. -Foto: dpa

Nein, er steht nicht in Heldenpose auf einem Sockel. Aber mit dem Madame-Tussauds Kabinett kehrt Adolf Hitler nach Berlin zurück: aus Wachs, als alter verzweifelter Mann, der in einem düsteren Bunker sinniert. Die Ausstellung Unter den Linden ist noch nicht eröffnet, da ruft der Wachs-Hitler in der Politik schon Aufregung hervor. Eine „Geschmacklosigkeit sondergleichen“ nennt CDU-Kulturpolitiker Michael Braun die Schau. Die Grünen-Kulturfachfrau Alice Ströver sagt nur: „geschmacklos, eklig, stillos“. Auch der Kulturpolitiker der FDP-Fraktion Christoph Meyer findet die Hitler-Aufstellung „geschmacklos“. Die SPD-Kulturpolitikerin Brigitte Lange findet die Idee „unsäglich“. Die Senatskanzlei will das ganze nicht kommentieren – Bürgermeister Klaus Wowereit soll neben dem Eingang derselben Abteilung vertreten sein.

Hitler in Berlin – das Thema ist heikel. Vor vier Jahren hatte die Betreiberin eines Wachsfigurenkabinetts am Checkpoint Charlie mit einem Wachshitler internationale Proteste ausgelöst. Nachdem der Vermieter kündigte, musste sie schließen. Lea Rosh, die Vorsitzende des „Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V." nennt es „geschmacklos“, Hitler neben Churchill auszustellen. Wenn man eine Hitlerfigur zeigen wollen, müsse man sie kommentieren und einordnen. „Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte darf nicht zu Konsum und Unterhaltung werden“, sagte sie.

Noch deutet bei Madame-Tussauds nur eine kleine Oscar-Preis-Figur mit Luftballon auf den Wachs-Hitler hin. Die neue Berliner Niederlassung liegt keine 300 Meter von Holocaust-Mahnmal entfernt. Anfang Juli soll die Ausstellung spätestens eröffnen. Die Figur des Diktators darf anders als die anderen gut 70 Figuren der Ausstellung nicht berührt werden. Genau wie bei allen anderen wird ein Schild erklären, um wen es sich handelt. Auch im Londoner Haus von Madame Tussauds ist der Diktator zu sehen, in dem Raum „World Leaders“. In dem alten Berliner Panoptikum am Ku’damm fehlte der oberste Nazi.

Es gibt auch Stimmen, die zur Gelassenheit mahnen. Der Leiter des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrums, Julius H. Schoeps, findet, man solle die ganze Angelegenheit „tiefer hängen“ und sagt: „Wenn man sich über jeden Schwachsinn aufregen sollte…“ Die Berlin Tourismus Marketing GmBH (BTM) ist zwar „nicht glücklich“ über die Hitlerfigur in Berlin. Man sehe aber „nicht die Gefahr, dass es dem Tourismus schaden könne“, sagte Hanns Peter Nerger. Für die BTM sei wichtig, dass die Figur eingeordnet und erklärt werde.

Bei Tussauds heißt es zu der Streitfrage: Hitler werde präsentiert, weil er zur Geschichte gehöre: „Ihn auszulassen wäre eine Verschönerung der Geschichte.“ Im Panoptikum in Hamburg, einer 129 Jahre alten Wachsfigurenschau in Familienbesitz, ist Hitler übrigens auch zu sehen – seit 1948. Die Puppe war zwar schon 1941 modelliert worden, die Nazis verbaten den Ausstellern aber, den Diktator in Wachs zu zeigen. Mittlerweile steht er in einer Gruppe mit Goebbels, Göring und Eva Braun. höh/wvb

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