Mahn-Wale : Protest der zum Himmel stinkt

Knapp alle zwei Minuten verendet auf der Welt ein Wal oder Delfin in einem Fischereinetz - das sind 17 Tiere jede halbe Stunde. Genauso viele verendete Kleinwale und Delfine hat Greenpeace am 21. Mai vor dem Brandenburger Tor aufgebahrt. Ein Video von Maike Redeker

Berlin - Die blonde Touristin steht zwischen Brandenburger Tor und Hotel Adlon und hält sich angewidert die Nase zu. Ein starker Verwesungsgeruch breitet sich in Berlins sonst so schickem Zentrum aus. Die Berliner und Berlin-Touristen sind erschüttert, schütteln die Köpfe und gehen ganz nah an die Walkadaver heran, die Greenpeace hier aufgebahrt hat.

Rund 300.000 Tiere verenden alljährlich in den bis zu 30 Kilometer langen Schleppnetzen der Fischer. Größere Tiere können sich meist noch aus den Netzen befreien, aber die kleinen wie etwa Delfine, Haie oder Schweinswale ertrinken meist zwischen den Maschen. Im Todeskampf brechen oft Schnauzen, Flossen und Schwänze ab.

Nicht nur Fischfangnetze werden vielen Tieren zum Verhängnis - viele der aufgebahrten Tiere weisen Verletzungen auf, wie sie bei einer Kollision mit Schiffsschrauben entstehen. Auch Schiffsonare sind eine häufige Todesursache: die Laute stören das empindliche Gehör etwa von Schnabelwalen. In Panik tauchen diese aus bis zu 2000 Meter Tiefe viel zu rasch auf. Die Folge: Wie beim Menschen bekommt auch ein Wal die Dekompressions- oder sogenannte Taucherkrankheit: Die im Blut gelösten Gase perlen beim zu schnellen Autauchen unter dem raschen Druckabfall aus und es kommt zum "Sprudelflascheneffekt" des Blutes.

Bestürzte Passanten

Die Greenpeace-Aktivistin und Meeresbiologin Stefanie Werner war selbst dabei, als ein Schnabelwal mit Taucherkrankheit vierundzwanzig Stunden mit dem Tod kämpfte - das Tier starb in den Armen der Aktivisten. Die Verletzungen von Netzen und Schiffsschrauben sind deutlich in die Haut der toten Wale eingegraben. "Ich finde es gut, das mal so präsentiert zu bekommen und auch den Verwesungsgestank riechen zu können. Denn das ist ja wohl die Realität. Und die bekommt man ja sonst nie mit", sagt eine Berlinerin und fügt hinzu: "Auch wenn ich die Tiere natürlich lieber lebendig sehen würde." Eine Touristin aus Österreich ringt mit den Tränen und schluchzt: " Wie können Menschen nur so grausam sein! Ich kann das einfach nicht verstehen - die armen Tiere."

"Wale werden wie Abfall behandelt", kritisiert Stefanie Werner. Die Aufbahrung der 17 Tierkadaver steht denn auch unter dem Motto "Leben ist kein Abfall". Die Greenpeace-Aktion richtet sich an die Bundesregierung. Von dieser fordert die Umweltschutzorganisation, dass Deutschland eine Vorreiterrolle übernimmt im Kampf gegen den Walfang und sich für den weltweiten Schutz der Meeressäuger einsetzt. Gelegenheit dazu böte sich nächste Woche: Dann beginnt in Anchorage im US-Bundesstaat Alaska die Haupttagung der Internationalen Walfangkommission.
Von Maike Redeker

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