Manfred Heckmann : Extrakt des seltsamen West-Berlins

Die Fasanenstraße hat eine Legende verloren. Ein Nachruf auf Manfred Heckmann, den Antiquitätenhändler, bei dem man immer etwas fand.

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Im Sommer saßen sie öfters draußen und belebten unübersehbar die Fasanenstraße, ältere Herren, lebenserprobte Köpfe. Sonst hielt die Runde im Geschäft Hof, bei reichlich Rotwein und frotzelnden Gesprächen. Der kleine Antiquitätenladen, der die Nähe zum Trödel nicht scheute, war seit rund 40 Jahren eine Bastion im Auf und Ab der Stadt, eine Insel für Lebenskünstler und solche, die es werden wollten, ein fester Hort für heiteren Tiefsinn. Hier wurden Freundschaften geschlossen, hier sammelten sich, über Jahrzehnte hinweg, Geschichten, originelle Charaktere, auch Schicksale – und verschwanden wieder, gezeitenmäßig. Ein Extrakt dieses seltsamen West-Berlin.

Für dieses wärmende Reservat gab es auch so etwas wie ein Schlüsselwort: „Wo im Glas die Lüge die Wahrheit besiegt.“ Nur dass es kürzlich auf einer Todesanzeige stand. Manfred Heckmann, der Besitzer, hatte sich von der Welt verabschiedet: der Antiquitätenhändler an der Fasanenstraße 13, bei dem man immer etwas fand, einen Leuchter oder eine Fotografie, der Meister kleiner grotesker Zeichnungen, der Herr der weltgrößten Sammlung von Flaschenöffnern – was sogar aktenkundig war –, vor allem aber ein Mann unaufdringlicher Freundlichkeit und ein unendlich liebenswürdiger Zeitgenosse.

War es eine Demonstration der Freiheit, die er gelebt hatte? Er jedenfalls hat es so verstanden. Die Freunde und Bekannten, die am Donnerstagabend den Laden füllten, bis auf die Straße hinaus, bemühten sich darum. So voll war das Geschäft kaum je zuvor, so ordentlich war es noch nie. Heckmanns Mitarbeiterin Petra Hardlöhner hatte sich dem verstörenden Ereignis mutig entgegengestemmt. Zwei Reden versuchten das Gleiche: Michael Fernholz, früherer Bankdirektor und Albrecht Kruse-Rodenacker, der älteste Freund. Er brachte Manfred Heckmanns letzten, vermächtnishaften Gruß mit: „Noch viel Spaß auf diesem Planeten.“

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