Marathon : Das lief doch bestens

25.000 Teilnehmer und 170.000 Zuschauer machten den 29. Halbmarathon zu einem fröhlichen Volksfest. Bei mildem Wetter kämpften einige um Platzierungen, andere nur gegen sich selbst.

Sandra Dassler
Berliner Halbmarathon
Am Sonntag gehörte die City den Läufern, Skatern und anderen Teilnehmern des 29. Halbmarathons. -Foto: dpa

BerlinSandra Walczak kommt nicht an die Bananen ran. Die stapeln sich gestückelt zu Tausenden auf Tischen hinter dem Ziel des 29. Berliner Halbmarathons vor dem Roten Rathaus – gleich neben den Bechern mit Wasser und alkoholfreiem Bier. Aber die Tische sind zu hoch für jemanden, der, wie Sandra Walczak, im Rollrennstuhl sitzt. Ein Läufer bemerkt die Not der Frau und reicht ihr drei Bananenteile. „Alle sind so nett“, sagt die junge Frau, die gerade durchs Ziel gefahren ist – nach mehr als 21 Kilometern Halbmarathon durch Berlin, mit mehr als 25.000 Läufern, Skatern sowie Walkern aus 85 Nationen.

16 Minuten dauerte allein der Start der Läufer auf der Schloßbrücke. Da lag der erste Marathon schon hinter Wolfgang Littwin. Der 52-Jährige aus dem Ruhrgebiet hatte mit seiner Freundin lange nach den Garderoben-Ständen gesucht. Dafür war ihnen dann schon warm und sie genossen den Lauf durchs Brandenburger Tor über den Großen Stern, Schloßstraße, Ku’damm und Potsdamer Platz zurück zum Roten Rathaus.

Das Wetter war an diesem Sonntag nahezu ideal: 13 Grad, wolkig, leicht windig. Den Rest der guten Stimmung besorgten viele freiwillige Helfer sowie 170.000 Familienangehörige, Freunde und Zuschauer am Straßenrand. Da wurde geklatscht, getrommelt, angefeuert. „Mama, du schaffst es, ich bin stolz auf dich“, ruft eine 27-Jährige, die eineinhalb Stunden vor ihrer Mutter durchs Ziel gelaufen war.

Im Kampf gegen sich selbst

Egal, schließlich ging es nur bei den vorderen tausend um Rekorde und Platzierung. Der Rest kämpfte gegen sich selbst, was bekanntlich das Schwerste ist. Vielen war die Anstrengung anzusehen, und die „Marathon-Doktoren“ in ihren roten Trainingsanzügen hatten hinter der Ziellinie aus gutem Grund wachsame Augen und helfende Hände für Teilnehmer, die den Endspurt übertrieben hatten und buchstäblich in die Knie gingen. „Man darf seinem Körper nicht zu viel zumuten“, sagt Freizeitläufer Wolfgang Littwin. „Wenn mein Pulmesser 168 zeigt, muss ich mich eben zügeln.“ Das hat er gestern getan, ist dann langsamer gewesen als erhofft, aber gesund und glücklich. „Schade nur, dass ich meinen Fotoapparat vergessen habe“, sagt er. „So ein tolles Flair, so viele Sehenswürdigkeiten hat Berlin zu bieten.“

Sandra Walczak, die beim Halbmarathon-Veranstalter , dem Sport-Club Charlottenburg, trainiert, wollte mit ihrem Rennrollstuhl eigentlich gewinnen, wie vor einigen Jahren schon . Aber ein Läufer hat so abrupt vor ihr gestoppt, dass sie nicht mehr ausweichen konnte und umkippte. „Bin ich eben nur Zweite“, sagt sie lachend. Natürlich komme man sich mit dem Rennrollstuhl manchmal verloren vor zwischen all den Läufern und Walkern, sagt Sandra Walczak. „Andererseits hat man einen schönen Blick auf durchtrainierte Männerwaden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben