Matthies meint : Hitler, wie er singt und lacht

Wie wird das in Berlin ankommen? Bernd Matthies über den Quotenbringer Adolf-Hitler und das Hitler-Musical, das demnächst im Berliner Admiralspalast gastiert.

Bernd Matthies
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Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Nächstes Jahr ist Hitlers 120. Geburtstag fällig, das gibt wieder allerhand Wirbel. Hätte sich der große Diktator nicht einsichtsvoll selbst umgebracht, wäre er heute doch wohl ziemlich tattrig und ohne rechtes Verständnis dafür, dass er immer noch ewig als Beispiel dienen muss für alles, was in der Welt ins Bösartige driftet.

Neulich zum Beispiel hat Literaturnobelpreisträger Le Clézio darauf hin gewiesen, dass Hitlers Machtergreifung vermutlich gescheitert wäre, hätte es damals das Internet schon gegeben. Da mag etwas dran sein, soweit es den politischen Prozess als solchen angeht. Andererseits hätte Hitler als verrückter Knallteufel mit rollendem R und Mini-Schnauzbart gerade im Internet eine enorme Karriere starten können: Millionen Klicks bei Youtube für seine besten Ausraster, eine kichernde Fan gemeinde wie bei Tokio Hotel, dazu schlagzeilenträchtige Einsätze im Dschungel-Camp: „Anstreicher-Adolf kaut Kakerlaken!“

Und auch das Promi-Dinner bei Hitlers wäre zum Quotengipfel geworden, denn dort hätte er vermutlich sehr attraktiv in den Teppich gebissen aus Wut über schlechte Noten für die selbst gekochte Forelle in Buttersoße. Hitler als Hunde-Nanny beim Versuch, Blondi Benimm beizubringen; Adolf & Eva in einer Doku -Soap, die sie beim Einrichten ihrer neuen Berghütte am Obersalzberg zeigt wie kürzlich Sarah Connor und den unglücklich gescheiterten Marc Terenzi – das Potenzial wäre groß.

Ein solcher Talkshow-Hitler wäre als Schreckbild allerdings untauglich, und Kardinal Joachim Meisner hätte sich eine andere Analogie überlegen müssen. Die Habsucht der Banker habe eine Lage geschaffen, die ihn an die Weimarer Republik erinnere, sagte Meisner soeben, „und da haben wir einen Kerl wie Hitler bekommen“. Meisner ist ein bemerkenswerter Virtuose der Hitler- Analogie, das hat er schon öfter bewiesen, er nimmt seinen Beruf als Warner und Mahner ebenso ernst wie die Banker den ihren als Profitmaximierer. Gut, dass wir das Internet und die Le- Clezio-Regel haben !

Demnächst, der 120.Geburtstag wird gerade vorüber sein, startet im Admiralspalast „Frühling für Hitler“. Grell, geschmacklos, das erfolgreichste Broadway-Musical seit Jahrzehnten. Draußen in der Welt lieben sie diesen schrägen Umgang mit dem Diktator – ob das auch in Berlin ankommt? Immerhin ist ja sichergestellt, dass er nicht zur Premiere in der Ehrenloge sitzt.

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