Mauerfall-Jubiläum : Mit Riesenschritten zum Einheitsfest

14 Meter hohe Marionetten stolpern zum Mauerfall-Jubiläum durch die Stadt: Die französische Straßentheatergruppe "Royal de Luxe" inszeniert zum 20. Jahrestag ein mehrtägiges kostenloses Spektakel unter freiem Himmel.

Anna Corves
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Puppenspiele. Wie hier in Nantes sollen die Figuren durch die Stadt laufen. Foto: AFP

Zwei Giganten wandern durch Berlin, unermüdlich auf der Suche nacheinander. Sie, die sieben Meter hohe Riesin in grünem Kleid – er, 14 Meter hoch, der große Riese, der voraussichtlich im Taucheranzug der Spree entsteigen soll. Sie kommt aus dem Osten, er aus dem Westen. Schließlich können sie sich wieder in die Arme nehmen – am Brandenburger Tor.

Ein Märchen von Trennung und Sehnsucht, eine Liebesgeschichte mit glücklichem Ende. Im Oktober wird diese Geschichte Wirklichkeit: Die französische Straßentheatergruppe „Royal de Luxe“ inszeniert zum 20. Jahrestag des Mauerfalls ein mehrtägiges kostenloses Spektakel unter freiem Himmel. Präsentiert wird es von „Spielzeit Europa“, der Theatersaison der Berliner Festspiele.

Vom 2. bis zum 4. Oktober werden die Riesen-Marionetten Berlin durchkreuzen. Ihre Suche soll sie vor den Augen Tausender Berliner unter anderem zum Roten Rathaus, durch das Regierungsviertel und Unter den Linden entlang führen. Dutzende Künstler werden die gewaltigen Holzpuppen durch die Stadt lotsen. Mit Hilfe von Seilwinden sollen die Gliedmaßen der Riesen so gesteuert werden, dass sie „vollkommen lebensecht agieren“, heißt es bei „Spielzeit Europa“. Gerüchten zufolge werden die Künstler daran in einem Hangar des stillgelegten Flughafens Tempelhof proben.

Die Theaterkompanie „Royal de Luxe“ ist mit ihren Riesenmarionetten bereits in verschiedenen Städten aufgetreten, darunter London und Santiago de Chile. In Berlin hat sie vergangenen November mit ihrer Inszenierung „Revolte der Schaufensterpuppen“ auf sich aufmerksam gemacht: Plastik-Mannequins verwandelten die Schaufenster des KaDeWe eine Woche lang in eine Theaterbühne, auf der sie immer wechselnde Geschichten erzählten. In zehn verschiedenen Episoden stellten sie alltägliche menschliche Motive wie Freude, Angst, Grausamkeit und Liebe dar.

Mit der für Oktober geplanten Inszenierung wagt sich „Spielzeit Europa“ nun an die ganz großen Gefühle: Die Ost-West- Liebesgeschichte um das hölzerne Riesen-Paar soll den „Moment der Weltgeschichte“ und die Emotionen von 1989 wieder aufleben lassen.Anna Corves

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