Max Raabe : Evergreens im Anzug

Aus dem Central Park in den Admiralspalast: Sänger Max Raabe startet nach seinem Amerika-Ausflug die Tour durch Europa. Stehende Ovationen gehören bei seinen Auftritten längst zum Standard.

Heidemarie Mazuhn
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Berlin im Blick. So ruhig wie hier im Central Park ging es bei Max Raabes Konzerten in New York nicht zu: Das Publikum feierte ihn...Foto: promo

„Heute Nacht oder nie“ – dieses Motto gilt ab sofort jeden Abend im Admiralspalast am Bahnhof Friedrichstraße. Ausgegeben hat es der eleganteste Frackträger der Stadt – Sänger Max Raabe. Der staatlich geprüfte Opernbariton, der seit 1992 seine Fans mit Liedern der Zwanziger und Dreißiger beschwingt. In seiner Wahlheimat Berlin eröffnet der gebürtige Westfale die Konzerttournee zum neuen Doppelalbum „Heute Nacht oder nie“.

Bis Dezember will der stets aus dem Ei gepellte Star mit seinem Palast-Orchester durch Deutschland, Österreich und die Schweiz touren. Und für Evergreens der „Golden Twenties“ wie „Wenn die Elisabeth“ sicher ebenso gefeiert werden wie im vergangenen Jahr in Los Angeles und in New York. In der Carnegie Hall hatte Raabe mit seinen Musikern im November 2007 das Berlin-Festival mit der Uraufführung seines neuen Konzertprogramms eröffnet. Standing Ovations bekam er dort nicht zum ersten Mal – Max Raabe und sein Palastorchester sind mit ihrem Repertoire historischer deutscher Tanz- und Filmmusik längst auf den Bühnen der Welt ein gefragter Exportartikel aus Berlin. „Fascinating“ schwärmte 2007 die „New York Times“, „Seine Stimme schwebt wie ein Wolkenstreich über dem Himmelsraum“ im Mai 2006 eine Zeitung in China, und „Nicht verpassen!“ ordnete die Los Angeles Times im November 2004 ihren Lesern an.

Auch Loriot ist heute Abend mit von der Partie

In Berlin muss das niemand anordnen – da ist der heutige Abend mit dem so unwiderstehlich näselnden und das R so unnachahmlich rollenden Sänger und seinen zwölf ebenbürtigen Musikern restlos ausverkauft. Und auch für das Konzert in der Waldbühne am 28. Juni, für das Raabe im Frack von allen Plakatsäulen grüßt, muss man sich sputen, will man dabei sein. Im Admiralspalast wollen heute Abend unter anderen Loriot, bekennender Raabe-Fan, Schauspieler Ben Becker und der russische Botschafter Vladimir Kotenev dabei sein. Für dessen Landsleute im fernen Murmansk stand Max Raabe schon am Dienstagabend in Berlin auf der Bühne. In der Mercedes-Welt am Salzufer trat der Sänger sozusagen in Kammerbesetzung auf – mit seinem Pianisten Christoph Israel gab er vor 400 geladenen Gästen ein Konzert. Dass sich Raabe trotz Probenstress für die heutige Deutschland-Premiere seines neuen Albums dafür Zeit nahm, spricht dabei nicht nur für gute Nerven bei guter Stimme, sondern auch für ein gutes Herz. Sang er doch einschließlich mehrerer erklatschter Zugaben gänzlich für lau, wie der Berliner sagt.

Nicht den Umsatz am Salzufer wollte er so befördern – Raabe fährt zudem Rad –, sondern das studentische Hilfsprojekt Berlin-Murmansk unterstützen. Über mehr als 14 500 Euro konnte sich am Abend das Team von O.S.T. freuen – das steht für „Organisieren, Sammeln, Transportieren“. Bei Letzterem hilft die hiesige Mercedes-Benz Niederlassung. Deren Hausherr ließ sich am Abend durch Kulturstaatssekretär André Schmitz entschuldigen. Als neuer ADAC-Vorsitzender sei Walter Müller, so scherzte Schmitz, jetzt schwerst beschäftigt mit einer „nicht ganz einfachen Klientel“.

Mehr Informationen unter www.palastorchester.de.

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