Stadtleben : Mehr Schaum

Ein Führer durch die Berliner Kneipenszene

Nils Michaelis

Das Paradies hat Ingo Schulze in einer Portion Schaummilch entdeckt. Sie wird in einem Café am Friedrichshain in einer Espressotasse serviert und lässt seine Kinder strahlen. In dem „Berliner Kneipenbuch“ erscheinen die Bars und Eckkneipen der Stadt nicht als Stätten alkoholgetränkter Suche nach Inspiration. Vielmehr werden sie im Alltagsleben der Autoren verortet – oder umgekehrt. Bohème-Klischees gibt es somit nicht, schmeichelhafte Porträts einer „Lieblingskneipe“ bleiben die Ausnahme.

Die 53 Episoden ranken sich nicht nur um Trend-Tränken wie das „White Trash, Fast Food“, sondern laden ebenso in unbekannte Terrains ein. Manch einer wird vertraute Lokalitäten mit anderen Augen sehen. Doch bietet der Band, der neben einigen unbekannten Schreibern auch Autoren wie Ingo Schulze, Arnold Stadler und Tanja Dückers als Kneipengänger vorstellt, nicht nur hohe Literatur, sondern auch praktischen Service: Der Kneipenindex liefert eine schnelle Übersicht von „Amnesie“ bis „Zwiebelfisch“ , die zu einer literarischen Kneipentour im besten Sinne einlädt. So lässt sich mit etwas Glück herausfinden, was Ingo Schulze am Nachmittag außer Kaffee und Kuchen sonst noch so zu sich nimmt. Nils Michaelis





— Björn Kuhligk / Tom Schulz (Hrsg.):
Das Berliner Kneipenbuch. Berliner Autoren und ihre Kneipen. Berliner Taschenbuch Verlag. 192 Seiten, 9,95 Euro.

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