Meine 7 Sommersachen : Wieslein, deck dich

Was wäre ein Sommer ohne… Picknick? Das geht ganz gediegen mitten in der Stadt. Den Korb packt Köchin Julia Tannhoff und ein Museumsrestaurant spendiert dazu den großen Garten.

Picknick
Fürs Foto hat Julia Tannhoff, Köchin im Restaurant Liebermanns, das von ihr zubereitete orientalische Essen aus dem Korb lieber in...Foto: Mike Wolff

Man könnte sich auf die sonnenbeschienene Wiese gleich hinter dem Glaspavillion setzen. Oder die karierte Decke ein Stückchen weiter vorne unter den kleinen Bäumchen ausbreiten. Vielleicht doch lieber hinauf in Richtung Springbrunnen, wo die Wiese das Wasser nachahmt und in kleinen Kaskaden abwärts hüpft? Oder besser in den Schatten, in einen der roten Liegestühle unterm Platanendach. Andererseits: Anständig an einem Tisch im blauregenbewachsenen Spaliergang zu sitzen, hätte ja auch was. Der Garten des Jüdischen Museums stellt einen vor Grundsatzfragen mit all seinen schönen Örtchen. Jedes scheint zu murmeln: Bleib hier! Überall auf dem Areal ist es angenehm still, selbst wenn viele Museumsbesucher sich in den dort aufgestellten Deckchairs erholen, die Augen geschlossen, die Gesichter dem Himmel zugewandt oder auf der zentralen Wiese gerade Mütter-mit-Baby-Treffen ist.

Der Garten, in den Achtzigern von Architekt Hans Kollhoff in Einheit mit umstehenden Villen geplant, gehört zum Libeskind-Bau. Aber man muss nicht unbedingt in die Ausstellung, um ihn zu nutzen. Man kann, nachdem man die Sicherheitsschleuse im Museum passiert hat, auf die absurde Idee kommen, dort, mitten in der Großstadt, zu picknicken – einfach so. Man kann sich Essen mitbringen oder faul sein und sich den Korb vom Museumsrestaurant Liebermanns füllen und kredenzen lassen. Es bietet diesen Service nicht nur jeden ersten Sonntag im Monat während des Kultursommers an – da hat man dann noch die Musik zum Picknick, aber eben auch viele Menschen um sich rum – , sondern an jedem Tag der Woche. Bier und Buletten bleiben zu Hause, es gibt orientalisches Essen.

Julia Tannhoff, 27, Köchin im Liebermanns, bereitet das Picknick vor. Sie packt in den Korb für zwei: eine Decke, weiße Keramikteller, Besteck. Dann kommt eine Flasche selbst gemachte Zitronenlimonade dazu aus Läuterzucker, Zitronensaft und frischer Minze. In kleine Plastikschalen füllt sie Hummus: Kichererbsenmus, das Israels fruchtbare Erde darstellt, dann Falafel, mit Knoblauch, Kumin, Petersilie und Koriander gewürzte Bällchen auf Tomaten-Gurken-Salat. Dazu gegrillte Champignons mit Curry und Zitrone, Auberginenkaviar, in das man Pitabrot tunken kann. Die Hirsebrösel des Couscous schmecken gut zum gegrillten Gemüse, Taboulé aus Bulgur, Granatapfel und Petersilie vertragen sich prima mit Kalamata-Oliven oder Tachina aus Sesampaste mit Koriander, Petersilie, Paprika, Olivenöl. Die Lust auf Fleisch stillen in Pitabrot gewickelte Lammwürstchen mit Krautsalat. Unten im Korb warten Blechkuchen oder Schoko- oder Kokostarte.

Julia Tannhoff, früher Patissière im Adlon, ein katholisches Mädchen aus dem bayrischen Marktoberdorf, hat das „Kosher Style“ –Kochen im Liebermanns gelernt. Nun ist sie dort seit 2001 unter anderem die Picknickfee und findet es klasse, wie beim „Jazz im Garten“, den das Personal manchmal „Stress im Garten“ nennt, gleich mal so 20, 25 gefüllte Körbe weggehen. „Da wird die Wiese manchmal zur Deckenplantage“, sagt sie. Dann lagert die Großfamilie dort, die Kleinen bekommen ihren eigenen Kinderkorb mit Schokolade und Hotdog, und alle mampfen gemütlich. Oder es geht wie am Tag zuvor: Da holten sich zwei Verliebte den Korb um 15 Uhr ab. „Und sie haben ihn erst zurückgebracht, als das Museum um 20 Uhr zumachte. Die hatten zu tun“, sagt sie verschmitzt und die großen, kajalumrandeten Augen lächeln.

Julias letztes Picknick ist lange her: zwei Jahre, Sonnenaufgang an der Ostsee. Sie schaut sehnsüchtig, als sie das mit rollendem Allgäuer Dialekt erzählt. Es ist erst Nachmittag, und die nächsten Stunden Küchendienst stehen an. Draußen zu sitzen, „von früh bis Nacht“, liebt sie im Sommer sehr. Was sie sich sich in ihren eigenen Picknickkorb packen würde, wenn sie mal nicht orientalisch kocht? „Wurrrschtsalat, Nudelsalat, Wassermelone und zwei Bierr!“ Marktoberdorf lässt grüßen.

Liebermanns, Restaurant im Jüdischen Museum, Lindenstr. 9–14, Kreuzberg. Picknick für zwei (23,50 Euro), 24 Stunden im voraus zu bestellen unter Tel. 25 939 76.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben