Melkus : Der Ferrari des Ostens

Bei den Oldtimer-Tagen im Meilenwerk ist der kultige DDR-Sportwagen Melkus zu sehen. Der Oldie dürfte einer der Stars der Sonderschau "Seriensportwagen" sein.

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Rennflunder. Ehepaar Hühn und ihr Kultsportwagen von 1977. Foto: Spiekermann-Klaas
Rennflunder. Ehepaar Hühn und ihr Kultsportwagen von 1977. Foto: Spiekermann-Klaas

Auf einem Parkplatz an einer der Rennstrecken der DDR muss es gewesen sein, als sich Uwe Hühn, Jugendlicher mit starker Neigung zu einer Fahrkultur jenseits von Wartburg und Trabant, ein Herz fasste. Lange war er um das exotisch aussehende Auto herumgeschlichen, hatte dann den Besitzer gefragt, ob er sich mal reinsetzen dürfe – und er durfte.

„Das war mein Schlüsselerlebnis“, erzählt Hühn von seinem ersten Kontakt mit einem Melkus, dem „Ferrari des Ostens“, wie er gerne genannt wird, dem einzigen in der DDR gebauten Straßensportwagen. Sein „lebenslanges Ziel“ sei es gewesen, selbst solch einen Wagen zu besitzen, beschreibt der Berliner seinen automobilen Traum, den er vor knapp zwei Jahren verwirklicht hat. Damals erwarb er einen Melkus RS 1600, einen Neuwagen, allerdings baugleich mit einem Melkus RS 1000 des Jahres 1977 – mit einem kleinen Unterschied: Statt eines frisierten Motors vom Wartburg 353 steckte ein Audi-Triebwerk drin. Der Motor sollte doch zeitgemäß sein, fand Hühn.

Der Oldie dürfte am Sonnabend einer der Stars der Sonderschau „Seriensportwagen“ sein, die zum Programm der 23. Oldtimer-Tage Berlin-Brandenburg gehört. Im Vorjahr kamen 20 000 Besucher zu diesem Treffpunkt für alle, denen altes Blech heilig und die Abwrackprämie eine Erfindung des Teufels ist. Rund 1000 Oldtimer-Besitzer werden am Wochenende mit ihren Fahrzeugen erwartet, die freien Eintritt haben, sofern ihr chromglänzender Stolz mindestens 30 Jahre auf dem Buckel hat. Manch einer wird am Sonnabend bereits bei der vom Automobilclub AvD veranstalteten Rallye „Rund um Berlin Classic“ teilnehmen. Rund 200 Händler und Aussteller ergänzen das Angebot, und auch die Polizei ist präsent: mit einem Überschlagssimulator.

Im Vorjahr gab es als Krönung die Sonderschau „Historischer Rennsport“, diesmal sind es nun eben die „Seriensportwagen“. Der Melkus RS 1600 muss sich dabei unter einer illustren Runde wie dem Lancia Stratos, Bugattis und Lamborghinis behaupten – oder dem Mercedes 300 SL, berühmt als der „Flügeltürer“. Das gelingt einem Melkus spielend, schließlich verfügt auch er über Flügeltüren. Und 190 km/h schaffe er auch, versichert Uwe Kühn, der sich bei Fahrten durch Berlin immer „ein bisschen beobachtet“ fühlt, sein Wagen ist eben eine Sensation, was er auch beruflich gern nutzt. Promotion, Events – das ist sein Metier, und da fügt sich solch ein sozialistischer Oldtimer als mobiler Werbeträger prima ein, zumal er sich als sehr zuverlässiges Automobil erwiesen hat.

Dessen Geschichte begann um 1968, als Heinz Melkus, Rennwagenbauer und -fahrer aus Dresden, nicht immer nur alleine im Kreis herumsausen wollte, sondern die Konstruktion eines zweisitzigen, ebenso renn- wie straßentauglichen Sportcoupés ins Auge fasste – „zu Ehren des 20. Jahrestages der DDR“, wie er seinen Antrag gegenüber den zuständigen Stellen begründete. Ein geschickter Schachzug: Er erhielt die Genehmigung, nur mussten alle Teile aus der DDR stammen.

Die Asphaltflunder wurde per Hand in Kleinserie zusammengeschraubt und war, was nicht überrascht, ein überaus begehrtes Modell. Bis 1980 entstanden 101 Exemplare des RS 1000. Nach der Wende eröffnete Heinz Melkus in Dresden den ersten BMW-Händlerbetrieb in Ostdeutschland. 2005 starb er, doch Peter und Sepp Melkus, Sohn und Enkel des Firmengründers, wollten die Sportwagentradition der Familien nicht mitbegraben, gründeten daher 2006 die Melkus Sportwagen GmbH. Erst ließen sie einige Exemplare des Erfolgsmodells RS 1000 zusammenschrauben, zuletzt eben als RS 1600 mit Audi-Motor, und entwickelten dann das brandneue Modell RS 2000. RS – das steht noch immer für „Rennsportwagen“. Gut möglich, dass auch davon ein Exemplar im Meilenwerk auftaucht. Andreas Conrad

Oldtimer-Tage, Meilenwerk, Wiebestraße 36/37, Moabit, Sonnabend/Sonntag 10-18 Uhr, 7 Euro, ermäßigt 4 Euro

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