Stadtleben : Melodie der Sterne

Musik unter der Himmelskuppel: Neue Veranstaltungen im Großplanetarium

Christoph Stollowsky

Der „Knochen“ galt einst als Wunderwerk der Optischen Werke Carl Zeiss Jena, heute ist er schon nahezu ein Museumsstück. Doch was der riesige Projektor an die Kuppel des Zeiss-Großplanetariums in Prenzlauer Berg zaubert, fasziniert die Besucher heute noch genau so wie zu dessen Eröffnung im Oktober 1987. Langsam dreht sich das Ungetüm um seine Achsen, ähnelt dabei einem gewaltigen Saurierknochen – und projiziert 9000 Sterne an den künstlichen Himmel. Traditionell lädt das Planetarium so zu fiktiven Weltraumreisen oder klassischer Musik unter Sternen ein. Zum 20-jährigen Bestehen wird aber jetzt noch geboten: Künftig sollen Künstler live unter der Kuppel auftreten, „3D-Hörspiele“ stehen im Programm und eine neue Lasershow: „Eine Hommage an die Berliner Nacht.“

„Wir wollen die Möglichkeiten unserer Technik besser nutzen“, sagt Planetariumschef Hans-Friedger Lachmann. Deshalb arbeitet sein Team jetzt mit Komponisten, Designern, Künstlern zusammen. Sie verlegen Performances ins Weltraum- Ambiente und unterhalten ihr Publikum so auf ganz neue spannende Weise.

Einen ersten starken Auftritt hatte vor einigen Wochen der Pop-Sopran Andreas Swoboda mit seiner Show „Soiree mit Renee“. Wie Lucifer fuhr er in Rauchschwaden gehüllt aus dem Boden des Planetariums empor. Dabei stand er auf der Plattform des Sternenprojektors. Das Gerät ist auf einer Hebebühne montiert, wird unter dem Kuppelsaal gewartet und zu Sternenprojektionen hinaufgefahren.

Die neue multimediale Lasershow war dagegen ein umfangreiches Uni-Projekt. Diese Choreographie aus Musik und Projektionen hat am morgigen Sonnabend, 20 Uhr, Premiere, danach läuft sie jeden Mittwoch. Design-Studenten der Fachhochschule Dortmund haben die Schau zusammen mit Grafikern und Medienkünstlern entwickelt. Es ist eine „elektronische Reise durch Galaxien und Sternenmeere, eine Hommage an die Berliner Nacht und das Besondere im Alltäglichen – mit Musik des Pioniers der elektronischen Klänge, Jean Michel Jarre,“ so die Ankündigung.

Eine weitere neue Unterhaltungsreihe beginnt im November. „Dreidimensionale Hörspiele werden eingespielt. Dafür hat man die 300 Plätze des Kuppelsaals mit Funkkopfhörern ausgestattet. Sie ermöglichen in Kombination mit einem besonderen Aufnahmeverfahren, der Kunstkopfstereophonie, 3D-Hören. Die Zuhörer haben den Eindruck, sie stünden Mitten im Geschehen, weil sie die Töne von allen Seiten, von oben und unten, wahrnehmen. Diese Technik wurde in den 70er Jahre entwickelt, geriet aber in Vergessenheit – nun wird sie wiederbelebt: am 3. November, 20 Uhr, erstmals mit Franz Kafkas „In der Strafkolonie“.

Auch zu diesem Erlebnis zaubert der Zeiss-Großprojektor das Firmament in die Kuppel. Andere Planetarien arbeiten inzwischen mit digitalen Verfahren. In Prenzlauer Berg wird der imposante „Knochen“ aber noch eine Weile zu bewundern sein.Christoph Stollowsky

Zeiss-Großplanetarium, Prezlauer Allee 80, Infos zu astronomischen Vorführungen, Kinder,- Musik- und Hörspielprogrammen unter den Telefonnummern 42184512 und 4251252. Website: www.astwe.de. Am 4. November, 13-18 Uhr, gibt es einen Tag der offenen Tür.

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