Messen : Berlin ist schwer in Mode

Am Mittwoch begann die Fashion Week. Die Kreativmesse Bread & Butter macht für zehn Jahre Station am Flughafen Tempelhof.

Anna Corves,Grit Thönnissen
Jovovich
Milla Jovovich kam in Begleitung von Paul Anderson zur Boss-Show. -Foto: dpa

Mit 25 Modenschauen will sich Berlin während der Fashion Week auf dem internationalen Schauenkalender Beachtung verschaffen – und unter Beweis stellen, dass diese Stadt in Mode ist. Es sind überwiegend deutsche Designer, unter ihnen sowohl international Anerkannte als auch blutige Anfänger, die ihre Kollektionen zeigen. Acht von ihnen sind zum ersten Mal dabei.

Dazu gehören „Felder & Felder“. Das Schwesternduo gehört zur angesagten Londoner Designerriege, jetzt will es auch den deutschen Markt erobern. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt zählt Bernhard Willhelm zur Modeavantgarde. Er ist sich sicher, das seine Modenschau im Postbahnhof wenn schon nicht die wichtigste, dann aber die lustigste von allen wird.

Nicht nur im Zelt am Bebelplatz wird bis Sonntag Mode für den nächsten Winter gezeigt. Den Anfang machte gestern Boss im frisch sanierten Tropenhaus des Botanischen Gartens. Das Modeunternehmen zeigte nicht die Designerlinie Hugo von Designer Bruno Pieters, sondern die erwachsenere Kollektion Boss Black.

Dirk Schönberger, Chefdesigner von Joop! hat sich für seine heutige Schau den Hamburger Bahnhof ausgesucht, und Michael Michalsky lädt morgen zu einem Besuch in die Zionskirche ein. Gleichzeitig mit den Schauen stellen mehr als 800 Aussteller auf der Modemesse Premium am Gleisdreieck aus. Insgesamt werden in Berlin in den nächsten Tagen mehr als 20 000 Besucher erwartet.

Im Sommer dürfte der Andrang noch sehr viel größer werden – seit gestern ist es offiziell: Die Modemesse Bread & Butter kehrt aus Barcelona nach Berlin zurück und wird vom 1. bis zum 3. Juli erstmalig auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof stattfinden. Der Mietvertrag über eine Laufzeit von zehn Jahren sei am Dienstag mit der Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) besiegelt worden, sagte Bread & Butter-Geschäftsführer Karl-Heinz Müller. Darin sei für jeweils zwei Monate im Jahr die Nutzung der Hangars, der Haupthalle sowie des Flugvorfeldes vereinbart worden.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bezeichnete die Rückkehr der Bread & Butter als „hervorragende und sinnvolle Lösung“ für den Flughafen Tempelhof und sprach von einem „wichtigen wirtschaftlichen Impuls“. Die Vereinbarung schließe andere Nutzungsideen nicht aus, da das Gelände nur zu Messezeiten belegt sei. Der Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing, Burkhard Kieker, rechnet damit, dass die Messe 200 000 Hotelübernachtungen bringen wird. „Das wird ein kleines Konjunkturprogramm.“ Auch Gastronomie und Taxigewerbe würden profitieren. Karl-Heinz Müller erwartet in Berlin mehr als 80 000 Fachbesucher und 800 bis 900 Aussteller. Die kommende Bread & Butter findet zwei Wochen vor der nächsten Fashion Week statt. Müller erklärte den frühen Termin mit dem Status als „Leitmesse“ im Urban- und Streetwearsektor, sagte aber auch: „Die Kräfte werden sich bündeln müssen“. Von einem Verdrängungswettbewerb zwischen Fashion Week, Premium und Bread & Butter wollte er jedoch nicht sprechen. „Man muss ein klares Konzept haben, dann gibt es genug Platz für alle.“

Am 15. Juni beginnen die Vorbereitungen für die nächste Bread & Butter. Zuvor will die BIM denkmalschutzgerechte Umbauten am Gebäude vornehmen. Die Veranstalter der Bread & Butter feierten am Mittwoch schon mal eine Party in Tempelhof. Dafür durfte vorab sogar ein Helikopter landen – mit Ausnahmegenehmigung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben