Mieterhöhungen : 900.000 Wohnungen bald teurer?

Mietervereine werfen dem Senat vor, mit dem neuen Mietspiegel die "Heuschrecken" in die Stadt holen zu wollen. Auf Mieterhöhungen müssen sich besonders Bewohner von Altbauten gefasst machen.

Christian van Lessen

Um durchschnittlich über fünf Prozent seien die Mieten seit 2005 gestiegen, teilten die Mieterorganisationen am Mittwoch mit. Das hätten „eigene Berechnungen“ zum neuen Mietspiegel ergeben, der am kommenden Mittwoch von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgestellt wird. Extrem hoch sei der Anstieg für Häuser der Baujahre 1956 bis 1964 mit durchschnittlich 9,35 Prozent und für voll ausgestattete Wohnungen der Jahrgänge 1919 bis 1949 mit 9,28 Prozent.

Mieterverein, Mietergemeinschaft und Mieterschutzbund kritisierten, dass die zulässige Spannbreite der Mieten vom Mittelwert aus wiederum zu weit sei (vier Fünftel der ermittelten Werte werden berücksichtigt, statt gewünschter zwei Drittel) und den Vermietern einen zusätzlichen Erhöhungsspielraum biete. Die rot-rote Landesregierung besorge damit wie schon 2005 „das Geschäft der „Heuschrecken. Unter Eberhard Diepgen wäre das nicht passiert“, sagte Hartmann Vetter vom Mieterverein. Finanzinvestoren, „Heuschrecken“, hätten innerhalb von zehn Jahren rund 150 000 Wohnungen gekauft und alle Möglichkeiten zu Preiserhöhungen ausgenutzt.

Der Mietspiegel werde von der Senatsverwaltung für Stadtenwicklung gegen das ausdrückliche Votum der Mieter verordnet. Deshalb hätten die Organisationen den zuständigen Arbeitskreis in der letzten Woche verlassen. Die höheren Spannen beträfen 900 000 Wohnungen und führten zu zusätzlichen Mieterhöhungsspielräumen von bis zu 1,02 Euro pro Quadratmeter und Monat. Bei modernisierten Altbauten bis 1918 könne der Erhöhungsspielraum auf bis zu 61 Cent pro Monat und Quadratmeter wachsen. Diese Möglichkeiten würden erfahrungsgemäß ausgenutzt, was dieWerte für den nächsten Mietspiegel in zwei Jahren nach oben treiben werde.

Die Senatsverwaltung hatte in den letzten Tagen Kritik zurückgewiesen. Der neue Mietspiegel sei eine Fortschreibung des alten und seiner Spanneneinteilung.

Der Mietspiegel ist eine Übersicht gezahlter Mieten, getrennt nach Lage und Ausstattung. Vermieter können damit Erhöhungen begründen, Mieter haben eine rechtliche Handhabe, dagegen vorzugehen. Das Zahlenwerk erscheint alle zwei Jahre und betrifft aktuell 1,2 Millionen Haushalte in Mehrfamilienhäusern, ausgenommen sozialer Wohnungsbau.

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