Stadtleben : Mit Haken und Bösen

Einmal Pommes, bitte: Snack mit Captain Hook vor der „Peter Pan“-Premiere

Daniela Martens

Matthäus trägt gern ein im Nacken zusammengebundenes Totenkopftuch. Der kleine Piratenkapitän kümmert sich bestens um seine Mannschaft – bestehend aus vielen kleinen Plastikfiguren mit Augenklappen und Enterhaken statt Händen. Ein ganz normaler Erstklässler also. Aber auch der Sohn eines legendären Piraten: Sein Vater trägt bei der Arbeit, einen lila Gehrock mit goldenen Tressen, eine braune Perücke, die Ludwig XIV. alle Ehre gemacht hätte – und einen gefährlichen Enterhaken nebst Säbel. Matthäus’ Vater ist Captain Hook, Widersacher von Peter Pan. Wirklich wahr.

Allerdings nur auf der Bühne, im Musical „Peter Pan – Fliege deinen Traum!“, das an diesem Wochenende Premiere im Schillertheater feiert. Sonst heißt Matthäus’ Vater Christian Berg und ist Regisseur von Kindermusicals. Das Dschungelbuch etwa hat er inszeniert oder „Jim Knopf und die Wilde 13“ . Und jetzt tourt er mit „Peter Pan“ durch Deutschland. Wie schon bei anderen Stücken hat er die Musik dazu gemeinsam mit dem Liedermacher Konstantin Wecker, geschrieben: „Nimm die Beine in die Hände und duck dich, denn am Ende kriegt der Hook dich“, singen Hook und die anderen immer wieder. Ein Ohrwurm, den man auf dem Heimweg vor sich hin summt. Und Hook kriegt dich: Denn auch wenn der ewig jung gebliebene Peter Pan Titelgeber ist und Wendy, die Fee Tinkerbell und all die anderen aus dem britischen Theaterstück von 1904 mit von der Partie sind bei der Reise ins Nimmerland – der Star und heimliche Hauptdarsteller ist Berg als fies-mimosenhafter Captain Hook, der nicht weiß, wo Steuerbord ist. „Ahoichen“, ruft er oft, schüttelt affektiert seine Rüschenmanschetten und fürchtet sich gründlich vor dem „tickenden Krokodil“.

Er sei eben ein „sensibler Bösewicht“, sagte Berg vor der Uraufführung im Hamburger Schmidt-Theater, während er schnell noch ein paar Pommes mit viel Ketchup und Mayonnaise aß – „ein Lustessen“ für Berg. Er bringe Peter Pan so auf die Bühne, wie er es sich „immer erträumt“ habe: „Das Musical soll Erwachsene und Kinder gleich gut unterhalten.“ 20 Jahre habe er darauf gewartet, die Rechte an dem Stück des britischen Autors Sir James Matthew Barrie zu bekommen. Schließlich ist es ihm gelungen. Eigentlich habe er ja immer Peter Pan spielen wollen, sein „Alter Ego“. „Aber dafür bin ich inzwischen schon zu alt.“ Stattdessen ist er nun zum ersten Mal der Bösewicht in einem seiner Stücke – und es gefällt ihm ausnehmend gut: „Da kann ich meinem Affen so richtig Zucker geben.“

Konstantin Wecker, mit Goldkettchen unter dem Sakko, stand neben Berg, während der sein Pommes-„Lustessen“ verputzte. Anders als Berg habe er sich irgendwann entschieden, „den inneren ewigen Peter Pan aufzugeben“, sagte Wecker. Immerhin sei er ja inzwischen selbst Vater. Lange sei der Entschluss noch nicht her. Berg hingegen ist auch als Vater immer noch irgendwie Peter Pan geblieben. Und das hat Auswirkungen auf Matthäus: „Er ist der größte lebende Peter-Pan-Spezialist“, sagte Berg. Sein Sohn war sein wichtigster Berater bei der Inszenierung. Trotzdem war Matthäus nach der Uraufführung noch nicht zufrieden: „Ich habe schon zwei Notizblöcke voll mit Sachen, die noch fehlen im Stück.“ Vor allem aber fehle der zweite Teil: „Den muss Papa unbedingt ganz bald schreiben.“

Schillertheater, Bismarckstraße 110, Charlottenburg, fünf Vorstellungen; Sonnabend 14.30 Uhr bis Sonntag 18 Uhr; Karten ab 15,90 Euro unter Tel. 01805-570095

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