Stadtleben : Mit Insel und Farbe

Künstler Stefan Szczesny hat die Mainau im Bodensee komplett umgestaltet

Sebastian Leber

Am Anfang hat Stefan Szczesny selbst nicht geahnt, wie viel Kunst auf eine einzige kleine Insel passt. Nach anderthalb Jahren Arbeit hat er die Mainau im Bodensee mit 53 mannshohen Stahlskulpturen, 400 Keramikarbeiten, einem turmhohen Riesentuch, einer Fünf-Meter-Vase und mehreren ausufernden, bunt leuchtenden Blumenbeeten bestückt. Eine halbe Million Knollen ließ Szczesny pflanzen.

Stefan Szczesny, 56, den Nachnamen spricht man Schesny aus, hat die ganze Insel Mainau im nordwestlichen Teil des Bodensees umgestaltet. Nun sitzt er in seinem Berliner Atelier in Moabit auf der Couch. Er trägt Sandalen ohne Socken, obwohl es draußen kühl ist. Er sei halt ein rundum mediterraner Mensch, grinst er. Braun gebrannt ist er auch.

Die Insel-Besitzer hätten ihn gebeten, eine Vision für die Umgestaltung der Mainau zu entwerfen. Das konnte Szczesny nicht ablehnen. Einen „Traum vom irdischen Paradies“ wollte er erschaffen, deswegen die vielen Blumen und die vielen Skulpturen, die meisten sind Silhouetten von Frauenkörpern. Über der Insel kreist ein weiteres Aktbild, bedruckt an die Außenwand eines Zeppelins. Der gehört auch zum Gesamtkunstwerk. Von seiner Dimension erinnere es an Christos Reichstagsverhüllung, sagt Szczesny. Mehrere Millionen hat das Projekt gekostet, der Künstler arbeitet mit Sponsoren zusammen, was ihm manche in der Kunstszene übelnehmen. Genauso wie die Tatsache, dass Szczesny in seinen Werken selten Leiden und Schmerz ausdrückt – „meine Kunst ist durchweg lebensbejahend“. Und seine Botschaft kann er in wenige Worte fassen: „Die Welt ist schön. Genießt sie mit allen Sinnen.“

Trotzdem hat Szczesny einen großen Kreis von Bewunderern. Auch Ex-Bond- Darsteller Pierce Brosnan gehört dazu. Im Moment pendelt Szczesny viel zwischen Berlin und Mainau. Die Aufbauarbeiten sind zwar abgeschlossen, aber „man muss immer wieder nachschauen und anpassen, das ist etwas Prozesshaftes“. Zum Beispiel, wenn die Blumen wachsen oder ihre Farbe wechseln und sich dadurch das Gesamtbild verändert.

1,2 Millionen Menschen werden im Laufe des Jahres als Tagesbesucher auf Mainau erwartet, man kann sich auch für Gruppenführungen anmelden und bekommt dann die Kunstwerke erklärt. Wer es diesen Sommer nicht zum Bodensee schafft, kann Szczesnys Berliner Atelier besuchen. Dort gibt es in den Ausstellungsräumen eine Dokumentation mit Filmmaterial.

Der Künstler ist schon gefragt worden, ob er als nächstes nicht den Park Sanssouci verschönern wolle. Von einer Person, die sich seit Jahren um die Kultur Potsdams verdient mache. Günther Jauch vielleicht? Da schweigt Szczesny. Und ob er überhaupt nochmal ein Projekt dieser Größenordnung angehen möchte, weiß Szczesny auch nicht. Jetzt will er „erst einmal Luft holen“. Und sich dann wahrscheinlich etwas Kleinteiligerem zuwenden. Sebastian Leber

Szczesnys Atelier mit angrenzendem Ausstellungsraum (Alt-Moabit 62) erreicht man unter 319 81 15 90. Informationen im Internet: www.szczesny-2007.de

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