Stadtleben : Mit Kopfhörer auf Mauersuche

„Waren Sie schon zu Mauerzeiten einmal in Berlin?“, fragt die Stimme des „Mauer-Guides“ aus dem Kopfhörer. Während die Jugendlichen, Zehntklässler aus drei Berliner Oberschulen, am Potsdamer Platz stehen, flimmern über die Bildschirme der kleinen Geräte in ihren Händen Bilder des alten Grenzstreifens – dieselbe Perspektive wie in der Realität, aber der Platz ist kaum wiederzuerkennen. „Ich kenne die Orte, die wir heute sehen“, sagt der 15-jährige Noah Hömberg. „Mit der Mauer hätte ich sie aber nicht in Verbindung gebracht.“

Den „Mauer-Guide“ mit Audiobeiträgen, Fotos, Filmen und Interviews kann man seit Mai ausleihen, und zwar an jeder der fünf Stationen der Tour: Bernauer Straße, Brandenburger Tor, Niederkirchnerstraße, East Side Gallery, Checkpoint Charlie. Kurz vor dem Tag der deutschen Einheit konnten 60 Schüler das Gerät testen, begrüßt von Bundesverkehrsminister Tiefensee, der aus seiner eigenen DDR-Vergangenheit erzählte. An diesem Mittwochmittag sind die Schüler, Jahrgang 1992/93, in Dreiergruppen unterwegs. Viel wissen sie noch nicht: „Wir sind in Geschichte gerade beim Mauerbau angelangt“, sagt Christoph Budde. Er und die anderen wissen, dass es die Mauer gab, aber nicht genau, wo sie stand. An den Mauerteilen am Potsdamer Platz wären sie glatt vorbeigelaufen, hätte der Audio-Guide sie nicht darauf aufmerksam gemacht. Am Bildschirm des Geräts zeigt ihnen ein kleines gelbes Kreuz, wo sie sich gerade befinden. Die Mauerfall-Szenen sind vielen neu, ebenso wie das Bild des NVA-Soldaten, der über die Absperrung an der Bernauer Straße floh und nun im Zeitzeugen-Interview von damals berichtet. „Es ist mal was anderes, die Informationen multimedial präsentiert zu bekommen“, sagt Hannes Wilms. „Man kann es sich so auch besser merken.“ Die Mauer-Tour hätte er sogar freiwillig gemacht. pth/stm

Weitere Informationen unter:

www.mauerguide.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben