Mitte : Unternehmer Wall spendiert 90.000 Euro für Parochialkirche

Hans Wall zahlt 90.000 Euro für den Turm der Parochialkirche nahe dem U-Bahnhof Klosterstraße. Dessen Rekonstruktion gilt als Startschuss für den Wiederaufbau des historischen Zentrums.

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ob es an der bitteren Kälte gelegen hat, die im Inneren der unbeheizten Parochialkirche herrschte? Hans Wall jedenfalls unterschrieb den Scheck mit klammen Fingern und drei „l“. Der guten Laune konnten die eisigen Temperaturen trotzdem nicht viel anhaben. 90 000 Euro aus seinem Privatvermögen hat der Unternehmer an die Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien gespendet. Zusammen mit 10 000 Euro des Vereins „Denk mal an Berlin“, dessen Vorsitzender Wall ist, stehen nun 100 000 Euro für den Wiederaufbau des Turms der Parochialkirche nahe dem U-Bahnhof Klosterstraße zur Verfügung.

Nur die untere, steinerne Hälfte hat den Krieg überlebt. Die obere, die aus kupferummanteltem Holz bestand, brannte 1944 mitsamt dem europaweit bekannten Glockenspiel ab. Jetzt soll der Kirche ihre 30 Meter hohe Spitze bis 2012 wieder aufgesetzt werden. Die 100 000 Euro sind dabei nur ein erster, psychologisch wichtiger Schritt. Sie decken die Kosten des Bauantrags, den der Bezirk Mitte erteilen wird. Der Verwaltungsakt selbst ist umsonst, nicht aber die Ausarbeitung der Pläne durch Architekt Jochen Langheinecke sowie die Erstellung von Brandschutz- und Statikgutachten. Der Bau des eigentlichen Turms wird 2,5 Millionen Euro kosten. Ist die Baugenehmigung erst einmal erteilt, kann bei großen Stiftungen um Spenden geworben werden. An die Spendenfreude der Berliner appelliert der 2003 gegründete Verein schon lange mit der Kampagne „Schluss mit oben ohne!“

An der Parochialkirche, ab 1695 erbaut, wirkten einige der größten barocken Baumeister Berlins mit: Johann Arnold Nehring, Martin Grünberg, Andreas Schlüter. Wenn das als „Singuhr“ bekannte Glockenspiel ertönte, standen hunderte Berliner um die Kirche, um zuzuhören. Heute bildet sie den Mittelpunkt des Klosterviertels, das weitgehend vergessen ist, obwohl es das einzige original erhaltene Areal der Altstadt ist. Und so wird die Rekonstruktion des Turms auch als Startschuss für den Wiederaufbau des historischen Zentrums gesehen. „Die Berliner müssen endlich begreifen, wo die Mitte ihrer Stadt gewesen ist“, sagte Kulturstaatssekretär André Schmitz bei der Scheckübergabe. „Die Wiederherstellung eines urbanen, städtebaulich bedeutenden Raums ist die Aufgabe unserer Generation.“

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