Mode : Frieden für die Uniform

Christine Mayer macht in Mitte aus Feldhemden scharf geschnittene Jäckchen. Die werden sogar von Stars getragen. Und ein guter Zweck ist auch dabei.

Grit Thönnissen
Mayer Foto: Mike Wolff
Christine Mayer -Foto: Mike Wolff

Oft sind es die zufälligen Dinge, mit denen man den meisten Erfolg hat. So war es auch bei Christine Mayer. Die Modedesignerin arbeitete gerade in den Werkstätten des Bremer Theaters an Kostümen für eine Inszenierung, für die sie alte Uniformen neu zusammensetzte. Statt abends bei einer Probe zuzuschauen, drapierte sie lieber ein Feldhemd der Bundeswehr zu einem scharf geschnittenen kleinen Jäckchen um – nur für sich, nur zum Vergnügen. Damit ging sie am nächsten Tag in ihr Lieblingsgeschäft, die Besitzerin wollte die Jacke sofort verkaufen. Diesen Wunsch hatten seitdem viele Ladenbesitzer von Osaka über New York bis nach Florenz. Ihr umgearbeitetes Feldhemd ist längst ein Klassiker geworden und hängt auch in ihrem Laden in Mitte. Susan Sarandon und Janet Jackson gehören zu ihren Kunden.

Die Idee, Uniformen in straßentaugliche Kleidung zu verwandeln, ist nicht neu. Auch andere Berliner Designer machen das, wie das Label Sisi Wasabi, das den rauen Bundeswehrcharme mit fröhlichem Alpenschick mischt. Aber so unironisch wie bei Christine Mayer hat man es noch nicht gesehen.

Ganz nebenbei leistet die Modemacherin Friedensarbeit. Nur dass es bei ihr statt „Schwerter zu Pflugscharen“, „Uniformen zu Designerware“ heißen müsste. Sie hat viel gelernt über Armeekleidung: Besonders schön schimmert der Stoff einer französischen Uniform, die italienische fasst sich besonders gut an und die deutsche ist besonders widerstandsfähig. Auch der Natopullover hat hervorragende Trageeigenschaften.

Und noch einen Grund gibt es, warum man sich in den Jacken von Christine Mayer wie ein Gutmensch fühlen kann: Drei Prozent des Umsatzes gehen an Michéle Adamskis Projekt „Aladdin’s Children“. Mit den Spenden lässt die Berlinerin Adamski in Afghanistan eine Schule am Rande von Kabul bauen. „Ich finde man sollte etwas zurückgeben“, sagt Christine Mayer. Auch deshalb, weil sie mit Uniformen arbeitet und ihr die so viel Glück gebracht haben.

Seit 2001 lebt Christine Mayer mit ihrem Sohn in Berlin. 2004 erhielt sie gleich zwei Berliner Modepreise. „Die nahm ich als Zeichen, hier meinen Laden aufzumachen.“ Der liegt an der Großen Hamburger Straße. „Goldrichtig“, findet die 35-Jährige. Genau da nämlich, wo die Kunsttouristen in die Galerienmeile einbiegen. „Das sind meine Kunden.“

Um zu zeigen, wie romantisch sie sein kann, hängen auch zarte Kleider aus Chiffon in ihrem Laden. Christine Mayer, die oft als Kostümbildnerin arbeitet – zuletzt stattete sie die Kinderoper Pinocchio an der Komischen Oper aus –, fertigt gern Kleider für private Inszenierungen wie Hochzeiten und Bälle an. Ihre Kleidung mit Berlin zu assoziieren, fällt vor allem ausländischen Kunden nicht schwer. Vielleicht, weil die Stadt auch oft für ihre Brüche gerühmt wird. Und in den USA mögen sie vor allem die gute deutsche Verarbeitung: Jede Jacke wird im Atelier an der Puppe gesteckt und zum Nähen nach Stettin gebracht.

Heute um 19 Uhr zeigt Christine Mayer ihre aktuelle Kollektion in der Großen Hamburger Str. 1 in Mitte.

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