Modewoche : Die Hackenhatz

Beim Stiletto-Run kämpften 100 Frauen auf Highheels um 10 000 Euro. Der wahre Star war aber Modeltrainer Bruce Darnel.

G,a Bartels
Stiletto-Run Foto: David Heerde
Die Gewinnerin Denise Hanitzsch (ganz links) bei ihrem siegreichen Lauf auf Stöckelschuhen. -Foto: David Heerde

Ums mal gleich vorweg zu sagen: Denise Hanitzsch, 24, aus Hohenschönhausen hat den Stiletto-Run gewonnen. Ohne einen Schuh zu verlieren, wie viele andere Läuferinnen. Und in zackigen 14,7 Sekunden auf 100 Metern gestern am Wittenbergplatz. Ihr Preis: ein 10 000-Euro-Einkaufsgutschein fürs KaDeWe. Gespendet hat ihn die Zeitschrift „Glamour“, die zum zweiten Mal 100 Leserinnen aus ganz Deutschland auf hohen Hacken publicityträchtig an den Start schickte. Was die sportliche Bürokauffrau Denise dafür kaufen will? „Keine Ahnung!“ Dafür ist sie emotional noch zu aufgewühlt. „Süß, du hast ja richtig Pippi in den Augen“, kreischt Fernsehmoderatorin Sonya Kraus bei der Siegerehrung.

Nadine Sonnabend aus Mainz, 26, die letztes Jahr das Rennen gemacht hat und diesmal wieder startet, war immerhin sechs Mal einkaufen. „Fernseher, Navigationsgerät, eine Videokamera, Schuhe.“ Ob sie trainiert hat? Nö, sagt die Psychologie-Studentin, sie mache eh Stabhochsprung als Leistungssport.

Die Schwestern Camilla und Nadine Wöllnitz aus Steglitz, beide mit ihren schicken schwarzen Strasssandaletten (8,5 cm hoch) zum ersten Mal dabei, haben sich dagegen akribisch vorbereitet: „Wir haben die Mariendorfer Allee mit vier Zollstöcken ausgemessen und trainiert.“ Warum sie bei dem Zirkus mitmachen? „Aus Spaß. Und weil’s was abzugreifen gibt“, lachen sie. Natürlich belagern Oma, Opa, Papa und Freunde mit der Videokamera im Anschlag die Rennstrecke.

„Mein Puder, mein Puuuder!“, brüllt da kurz vor dem Start eine aufgeregte Blondine, die offenbar noch schnell das Makeup richten will. Ihr Freund, selbst Marke H & M-Modell, winkt beruhigend ab: „Passt schon, mein Engel, passt schon.“

Ein Brandenburger staunt: „Watt is’n dit hier?“, und lässt dabei offen, ob er damit das Sammelsurium aus Gemüsehobel-, Glasnagelfeilen-, Handleser- und Wurstbuden oder den Catwalk des „Global Fashion Festivals“ meint. Über den laufen vor dem Rennen noch schnell alle Mädel und zeigen sich und ihre Füße her. Für Ehepaar Podewski aus Spandau ist das zweitrangig. Sie wollen „Bruce Darnell mal lebend sehen“. Den aufgekratzten Kult-Ami kennen sie als Laufsteg-Trainer und Juror aus „Germany’s next Topmodell“. „Und der soll ja auch schon 50 sein.“

Rauschender Applaus brandet auf, als Modeltrainer Bruce schmal und weiß gewandet die Bühne betritt. Er ist beim Stiletto-Run als Stargast und Jurymitglied gebucht. Kreischblondine Kraus nennt ihn „Schatz“, „Schnuckelchen“ und „den einzigen Mann, der Frauen die Schau stiehlt“. Da hat sie in dieser Sekunde absolut recht. Seine Pumps, Größe 44, auf denen er täglich gehen übt, hat er heute zu Hause gelassen und stattdessen flache Silberschuhe an den Füßen. Wie Frauen Highheels richtig tragen? „Einfach Selbstsicherheit beherrschen und sexy sein.“ Und sein Rat an die Wettläuferinnen? „Alles tolle Mädchen, einfach Augen zu und durch!“

Und dann gibt der scheu und distanziert wirkende Meistergeher dem Drängen seiner Fans nach und läuft selbst kurz über den Catwalk. Mit so viel Eleganz, Würde und Sexappeal, dass es auf dem Wittenbergplatz plötzlich gar nicht mehr nach fettigen Nackensteaks riecht.

„Ist natürlich alles Geschäft, aber solange die Mädchen Spaß haben“, sagt Annegret Radtke aus Braunschweig achselzuckend. Ihre Tochter Tanja ist die einzige Zylinderträgerin im Starterfeld. Ob Tanja auch sonst Stilettos trägt? „Und wie! Die ist schon mit Lackschuhen an auf die Welt gekommen.“

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