Monbijoupark : Unterm Pflaster liegt der Strand

Sie war Deutschlands älteste Strandbar und Prototyp eines weltweit erfolgreichen Modells der Gastronomie. Jetzt musste die Attraktion in Mitte einem Uferweg weichen. Ehemalige Besucher sind enttäuscht.

Annette Kögel
Monbijoupark
Sand und Bäume mussten viel Asphalt und Stein weichen. -Foto: Uwe Steinert

Die erste Strandbar Deutschlands mitten in Berlin, ein Ort mit Meeressand und Palmenkulisse, existiert nur noch auf Fotos in Berlin-Reiseführern: Die „Strandbar Mitte“ am Monbijoupark ist weg, an ihrer Stelle befinden sich ein asphaltierter Uferweg, Splitt und Rollrasen. Damit ist die drei Jahre währende Sanierung des Parks gegenüber der Museumsinsel abgeschlossen. Das Areal wird jetzt zur langfristigen Nutzung für „Sommergastronomie mit Kulturangebot“ ausgeschrieben.

„Die Bewerbungsfrist für das Interessenbekundungsverfahren endet am 29. Februar, bis Mitte März will die Jury aus Bezirks- und Senatsvertretern entscheiden“, sagt Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Die „Strandbar Mitte“, in Reiseführern als „Copacabana on the Spree“ erwähnt, begründete 2002 die Erfolgsgeschichte von Stadtstränden bundesweit. In Berlin handelte es sich von Anfang an um eine Zwischennutzung, sagt Christian Schulz, Geschäftsführer der Hexenkessel und Strand GmbH. Dem einstigen Betreiber zufolge war die Strandbar eigentlich als Kantine und Foyer des Open-Air-Hexenkesseltheaters geplant gewesen. Sie wurde schnell zum Selbstläufer und finanzierte das Theater mit.

Das Hexenkessel-Theater lockte in der vergangenen Sommersaison 33 000 Zuschauer an. Die hölzerne „Märchenhütte“, in der täglich Grimms Märchen gegegeben werden, wird ebenfalls abgerissen. Der darunter gelegene, von der Charité für Tierversuche genutzte Bunker aus der Nazizeit bleibt. Christian Schulz’ GmbH betreibt unter anderem Clärchens Ballhaus sowie das Theaterschiff MS Marie. Er hofft, dass seine Bewerbung unter offenbar mehr als 20 Mitbewerbern das Rennen macht, und will ein Open-Air-Theater nach italienischem Vorbild bauen. Der Betrieb hat großen Rückhalt in der Bezirksverordnetenversammlung. Die Verordneten zeigten sich nicht erfreut darüber, vom Baustadtrat nicht früher über die Pläne für den Park informiert worden zu sein. Dass sich das Ufer gegenüber dem Bodemuseum verändert hat, beschäftigt Berliner und Touristen. „Schade, das sieht aus wie geleckt, hat kein eigenes Flair mehr“, sagte am Sonntag der 38-jährige Jörg Schulze aus Pankow. Eine Mitarbeiterin des Hotels Adlon, die sich nach Feierabend gerne mit Kollegen in der Strandbar traf, sagte: „Dieser Ort hat symbolisiert, was den Charme Berlins ausmacht.“ Steve und Owen aus London forderten: „Bring it back!“

Doch einen Stadtstrand wird es dort nicht mehr geben. Das widerspreche dem Gesamtkonzept des Senats für die Spree, sagten gestern Stadtrat Gothe wie auch Ex-Betreiber Schulz. Hanns-Peter Nerger, Chef des Berlin-Marketings, bezeichnete den Vorgang als „grundsätzlich bedauerlich“.

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