Stadtleben : Moonboots und Musik

Einen Wodka aus dem Kühlhaus, bitte! Heute wird im Relais-Club gefeiert

Eva Kalwa

Das edle Design aus geschwungenen Formen und warmen Farben stammt von Alexis Dornier, die Lichtinstallationen hat das Designlabor „Room Division“ gestaltet: Im neuen Club „Relais“ in der Köpenicker Straße mischt sich urbaner Schick mit Berliner Lässigkeit. Und die steht hier nicht für das schnelle „Runterrocken“ eines Clubs, sondern zielt auf Beständigkeit, denn nur Qualität setzt sich auf Dauer durch, davon ist Inhaber Oliver Rother überzeugt.

Deshalb ist das gastronomische Multitalent auch kein Anhänger aggressiven Marketings, das in seinen Augen oft nur Schnelllebigkeit produziert. Vielmehr sind persönliche Einladung und Mund-zu-Mund-Propaganda die Schlüsselwörter zu Rothers Erfolgskonzept, das ihm einen wachsenden Einfluss auf die Berliner Ausgeh-Kultur beschert: Der 31-Jährige ist der Erfinder der seit sechs Jahren erfolgreichen Partyreihe „Baambi Lounge“, der Betreiber der „Lining Bar“ in der Tucholskystraße und des Restaurants „Neu“ in den Heckmannhöfen und seit wenigen Monaten, gemeinsam mit seinem alten Freund Hardy Reinhardt, nun auch der Besitzer des „Relais“. Jahrelang hatten die beiden nach einer Location gesucht, die der Party mit dem Rehkitz-Logo, die als Gastveranstaltung im ehemaligen WMF-Club gestartet war, einen dauerhaften Aufenthaltsort in Mitte sichern würde.

In den Räumen der ehemaligen Erlebnisgastronomie „Arctic Palace“, nur einen kurzen Fußweg von Tresor, Sage und Kiko Blofeld entfernt, haben sie nun einen im wahrsten Sinne des Wortes „coolen“ Standort gefunden: Der tiefgekühlte Stahlkubus des früheren Eis-Restaurants wird weiterhin mit Strom versorgt, die beiden Freunde haben eine Wodka-Bar darin eingerichtet. Wer hier ein Getränk „on the rocks“ bestellt, hat Handschuhe und einen Thermomantel an, der Barkeeper trägt Moonboots: Die Temperatur in dem massiven Edelstahlkasten misst konstant 15 Grad – minus. Viele erhitzte Partygäste mögen die Möglichkeit zu einer kurzen Abkühlung, der wärmende Effekt des Kuschelns hat hier schon so manchen Flirt angeheizt. Da die Unterhaltung der riesigen Tiefkühltruhe aber kostspielig und auch nicht gerade umweltfreundlich ist, soll voraussichtlich im Dezember eine Abtauparty statt finden und dort danach vielleicht ein weiterer Dancefloor einziehen.

Doch auch ohne den Eiskubus bietet das „Relais“ Besonderheiten, „kleine künstlerische Gimmicks“, so Rother, „die unseren Gästen Freude machen sollen“: In den Passbildautomaten für Schwarzweiß-Fotos quetschen sich kichernde, knutschende Pärchen genauso wie die kühlen Schönen der Nacht. Wechselnde Videoinstallationen schaffen stets neue atmosphärische Effekte, und im „Smoking Room“ können sich die Gäste aus Automaten selbst verpflegen. Bald soll hier auch ein Automat stehen, aus dem man kleine Kunstgegenstände ziehen kann: Rother möchte im „Relais“ ein fruchtbares Miteinander aus Clubkultur und Kunst entstehen lassen. Freitags legen in der Bar meist junge DJs auf, manchmal spielt aber auch ein einzelner Kontrabassspieler den ganzen Abend durch. Sonnabends finden wechselnde Partys mit den Schwerpunkten Elektro, Big Beat, Funk und Soul statt, an einem Donnerstag im Monat wird die „Baambi Lounge“ gefeiert. Und immer ist der Club dann richtig voll.

Relais-Club, immer freitags und mittwochs, Köpenicker Str. 126 in Mitte. Die nächste „Baambi Lounge“ findet am 30. 10. statt. www.relaisberlin.com

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