Müllgriller : Grüne Sperrbezirke

Mitte erwägt eine neue Aktion gegen den Müll in den Parks: Verdreckte Wiesen sollen gesperrt und die Bürger auf diese Weise erzogen werden.

Werner Kurzlechner
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Wüste Ostern. Müllstapel im Mauerpark am vergangenen Dienstag. Foto: ddp

Berlin„Vielleicht bräuchte es eine Protestaktion der Behörden gegen die Bürger“, sagt Stephan von Dassel (Grüne), Stadtrat für Soziales und Bürgerdienst. Er meint eine Reaktion auf wilde Griller. Denn das Bezirksamt Mitte denkt laut darüber nach, zugemüllte Parks auf Zeit zu sperren.Man überlegt, die dreckigen Grünflächen einzuzäunen, damit Grillfreunde ein Bewusstsein für ihre Abfallhinterlassenschaften entwickeln. Nach dem Müllchaos vom Osterwochenende im Tiergarten will man im Bezirksamt darüber diskutieren. „Aber es müssten auch andere Bezirke mitmachen, damit wir nicht als einsamer Spinnerbezirk dastehen“, sagt von Dassel. Der stellvertretende Bürgermeister Joachim Zeller (CDU) pflichtet ihm bei: „Wenn sich die Vorgänge vom Osterwochenende wiederholen, bleibt uns schon aus Kostengründen kaum eine andere Wahl.“ 15 000 Euro hat das Säubern des Tiergartens nach Ostern gekostet.

Charlottenburg-Wilmersdorf reagiert mit einer klaren Absage. „Wir dürfen für die Schäden, die einige wenige anrichten, nicht die Allgemeinheit bestrafen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Einig ist sich Thiemen mit von Dassel, dass es ohne die Mithilfe der Bürger in den Berliner Parks nicht sauberer und schöner aussehen wird. Ihr Bezirk habe für die Müllentsorgung auf seinen Grünflächen letztes Jahr 250 000 Euro ausgegeben. „Dieses Geld müssen wir vom Grünflächenunterhalt abknapsen“, so Thieme.

Fürs Reinemachen in den Parks setzen einige Bezirke auch Häftlinge im offenen Vollzug ein. Etwa 120 Freigänger seien derzeit für die Grünflächenämter in vier Bezirken im Einsatz, berichtet die Senatsjustizverwaltung. Für die Bezirke fallen keine Kosten an. In Steglitz-Zehlendorf und Lichtenberg pflegen Freigänger laut Justizverwaltung aber nur Friedhöfe, in Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf aber auch Parks. In seinem Bezirk reinigten neben 210 regulären Mitarbeitern auch 54 Freigänger und 17 zu Sozialstunden verurteilte Straftäter die Grünflächen, sagt Frank Hinß, Fachbereichsleiter im Reinickendorfer Gartenbauamt. „Ein für die Öffentlichkeit sinnvoller Einsatz“, findet er.

Stadtrat von Dassel aus Mitte ist anderer Ansicht. „Ohne die Selbstdisziplin der Berliner werden wir das Problem nicht lösen.“ 

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