Muhabbet : Vorbild unter Verdacht

Der Musiker Muhabbet gilt als Integrationsfigur. Nun soll er Morddrohungen und islamistisches Gedankengut gegenüber Islamkritikern befürwortet haben. Ist er ein Schwindler?

Annette Kögel
Muhabbet
Der Musiker Muhabbet bei der Aufnahme des Deutschland-Songs. -Foto: ddp

BerlinEr ist Unicef-Botschafter für die Bildung von Mädchen in der Türkei. Er ist Idol der Bravo-Kampagne gegen Gewalt an Schulen. Er ist Integrationsfigur unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund, und er ist einer der erfolgreichsten Popsänger Deutschlands, der gerade mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und dessen französischen Amtskollegen Bernard Kouchner in Berlin eine CD mit dem Titel "Deutschland“ aufgenommen hat. Und jetzt steht der deutschtürkische "R’nBesk"-Sänger und Wahlberliner Muhabbet unter Verdacht, islamistisches Gedankengut und Morddrohungen gegenüber Islamkritikern unterstützt zu haben. Muhabbet soll den Mord an dem niederländischen Regisseur Theo van Gogh mit drastischen Äußerungen gebilligt haben.

Das Ganze soll während der Verleihung des Preises "Prix Europa" am 20. Oktober in Berlin passiert sein. Da bekamen Esther Schapira, Ressortleiterin Zeitgeschehen beim Hessischen Rundfunk, und Co-Autor Kamil Taylan einen Preis für ihren Dokumentarfilm "Der Tag, als Theo van Gogh ermordet wurde". Darin rekonstruieren sie den Mord an dem umstrittenen holländischen Filmemacher und Islamismus-Kritiker durch Mohammed Bouyeri.

"Er hätte ihn zuvor noch zwei Wochen in den Keller gesperrt und gefoltert"

"Muhabbet hat dann beim Festbankett zu Frau Schapira und mir und in die Runde gesagt, dass van Gogh Glück hatte, dass er so schnell gestorben ist. Er hätte ihn zuvor noch zwei Wochen in den Keller gesperrt und gefoltert", sagte Kamil Taylan dem Tagesspiegel. Zudem habe Muhabbet gesagt, der unter Polizeischutz lebenden Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali wünsche er dasselbe. "Ich habe ihn auf Türkisch gefragt, ob das ein Witz sei, ob er spinne. Er hat nicht geantwortet, vielleicht hat er es auf Türkisch nicht verstanden."

Der Manager des Sängers, Jochen Kühling, habe den 23-Jährigen angesprochen mit den Worten, "so etwas kannst du doch nicht sagen". Der Sänger habe seine Äußerung aber untermauert. Taylan kennt einen E-Mail-Schriftwechsel zwischen dem Muhabbet-Manager und der Filmemacherin, in dem die Angaben nicht widerlegt wurden. Die Äußerungen leiteten sie an die Festivalleitung des "Prix Europa" weiter. Schapira machte die Zitate nun anlässlich des neuen Musikprojektes während einer Fernseh-Schaltkonferenz bekannt.

Muhabbet sei  viel zu engagiert, um Mordaufrufe zu verherrlichen

Muhabbet und sein Manager Jochen Kühling haben die Vorwürfe in den Tagesthemen und auch gegenüber dem Tagesspiegel zurückgewiesen. "Ich finde jeglichen Mordaufruf katastrophal und würde mich überall gegen stellen", sagte Muhabbet im Fernsehen. Er finde es abscheulich, Menschen für irgendetwas zu bestrafen. Er würde niemals einen Mordaufruf verherrlichen, "dafür bin ich viel zu sehr sozial engagiert und viel zu gut erzogen worden". Kühling sagte, die Worte seien "falsch dargestellt worden, er hat so etwas nicht gesagt".

Frank-Walter Steinmeier sagte im ARD-Morgenmagazin, "Ich bin dafür, dass wir unaufgeregt damit umgehen", er hätte sich mehr Zurückhaltung bei der Recherche gewünscht und mehr Beschäftigung mit dem jahrelangen vorbildlichen Engagement Muhabbets. Kamil Taylan sagte, es gebe keinerlei Grund, irgendetwas falsch wiederzugeben. Bei vielen in der Musikszene herrscht Fassungslosigkeit wegen der angeblichen Äußerungen, die niemand dem Sänger zutrauen würde.

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