Stadtleben : Museen lassen die Puppen tanzen

Früher langweilig, heute kreativ: Ein Bummel durch die Läden der Berliner Ausstellungshäusern

Belinda Hartmann

Museumsläden waren immer Orte der Langeweile. Selbst Kaufwütige konnten sich oft nur zu Postkarten oder einem Katalog entschließen, denn darüber hinaus hatte man die Wahl zwischen Mokkatassen und Porzellanfingerhüten mit Abbildungen prominenter Ausstellungsstücke. Fans dieser Dinge seien beruhigt – all das gibt es weiterhin!

Den traditionellen Museumsläden hinzugesellt haben sich aber mittlerweile Museumsshops, deren Bandbreite bei echten Marktlückenfüllern beginnt und bei den Dingen endet, die die Welt zwar nicht braucht, aber auch nicht missen möchte. Im Guggenheim-Museum ist der erste Marktlückenfüller schnell gefunden: ein Göffel, auch Label genannt. Es handelt sich um eine Kombination aus Gabel und Löffel. Da, wo sich sonst ein Stiel an die Löffelmulde anschließt, befindet sich ein Dreizack zum Aufsprießen von Essbarem. Der Plastikgöffel ist etwa acht Zentimeter lang, liegt gut in der Hand und wird in schwarz und beige angeboten. Praktischer geht es nicht, wenn man bedenkt, wie häufig man schon heißhungrig auf offener Flur mit einem Joghurtbecher oder einem Glas Oliven aber eben ohne Göffel dagestanden hat.

Nicht ganz so praktisch erscheint zunächst aufgrund seines Gewichts ein Aschenbecher aus gepresstem Sand: sieht aus wie eine hübsche Sandburg am Strand. Allerdings löst er sich auch wie die Burg bei Kontakt mit Wasser auf. Zurück bleibt glitzernder Quarzsand und die Erinnerung an die letzte Zigarette.

Die Sondierung des nächsten Museumsshop-Terrains im Martin-Gropius- Bau beginnt mit einem sensationellen Fund: einem Kuss-Quartett, das zu 36 Kussarten Auskunft gibt, wieviele Muskeln zum Einsatz kommen, wie hoch der Kalorienverbrauch ist und welcher Glücksspiegel erzielt werden kann. Mit 38 Muskeln, 24 Kalorien und 98 Prozent Glücksspiegel lässt der Zungenkuss alle anderen Küsse weit hinter sich. Einziger Nachteil: losgehen kann es mit der Kusskunde erst, nachdem man die Spielkarten selber ausgeschnitten hat. Sofort einsatzbereit dagegen ist das XXL-Mikadospiel mit 50 Zentimeter langen Stäben.

Ruhige Hände sind auch beim Gebrauch der im Museum für Kommunikation erhältlichen Ausstechformen mit der Silhouette des Fernsehturms zu empfehlen. Mitgeliefert werden verschiedene Rezepte zum Backen von echten Alex-Keksen wie Käse-Alex-Kekse oder Feuer-Alex-Kekse mit Chili.

Für Menschen mit Affinität zum Bosseln und Basteln finden sich im Hamburger Bahnhof Karton-Modellbögen zum maßstabsgetreuen Nachbauen berühmter Bauten: zum Beispiel das Haus des Lehrers, das Café Moskau oder die Schaubühne. Vom Hamburger Bahnhof ist es nur ein Katzensprung ins Naturkundemuseum. Die Tour beginnt hier mit einem verblüffenden Buch: der Sonderpublikation zur Eröffnung der neuen Ausstellungen. Man liest von fossilen Seeigeln, die Bissspuren von Haien aufweisen, und erfährt, dass die Vorfahren der Pferde kaum größer als Dackel waren. Am Anfang des Buches geht es natürlich um die Welt der Saurier. Auch sonst steht im Museumsshop alles im Zeichen des Dinos. Er findet sich auf T-Shirts wieder, als Knuddeltier, als Teil von Ausgrabungssets, in Nudelform und in Form von leckeren sauren Sauriern für 10 Cent das Stück an der Kasse. Besonders zu empfehlen sind die grünen!

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