Museumsnacht : Bildungsreise für Gebildete

Auf einer Jubiläumstour lernten Freunde und Förderer der Langen Nacht der Museen, dass es auch beim zehnten Mal noch viel Neues zu entdecken gibt.

Elisabeth Binder
Museum
Sieh mal an: Auch Sänger Max Raabe durchstreifte das Bode-Museum. -Foto: David Heerde

Die Geburtstagskerze wurde erst angezündet, als die erste Stunde des Sonntags schon rum war. Dann erst gab es für die Gäste der Abschlussparty im Podewils’schen Palais zur 10. Langen Nacht der Museen Stücke von der großen pink- und cremefarbigen Geburtstagstorte.

Dass die Lange Nacht auch künftig jeweils zweimal im Jahr stattfinden solle, hatte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit in seiner Begrüßungsansprache vor dem Roten Rathaus bereits am frühen Abend verkündet. Nachahmerstädte von Buenos Aires bis Warschau, Rekordbeteiligungen und 111 involvierte Museen führte er als Zeichen für den überwältigenden Erfolg an.

Kulturstaatssekretär André Schmitz hatte rund 100 Freunde und potenzielle Förderer der Langen Museumsnacht zur gemeinsamen Tour geladen, darunter Max Raabe, der ansonsten am liebsten ganz allein ins Museum geht, damit er sich richtig konzentrieren kann. Das sollten die Besucher der Langen Nacht, dem Wunsch des Regierenden folgend, demnächst möglichst häufig tun, schon um die Kunstwerke auch mal ohne das von Menschenmassen geprägte Gemeinschaftserlebnis genießen zu können.

Auch für die Honoratioren gab es viel zu lernen in dieser Nacht. Zuerst in der Nikolaikirche, wo sie die Innenansicht des Gotteshauses aus dem 17. Jahrhundert betrachteten, das die Ruinenjahre wie durch ein Wunder überstanden hat und einen guten Eindruck davon gibt, wie die Menschen in jener Zeit dort zusammengekommen sind. Im Museum für Kommunikation finden oft Empfänge und Diners statt. Die Blaue Mauritius in der Schatzkammer bekommt man dann natürlich nicht zu sehen, auch für manche VIPs war das ein Novum. Und André Schmitz ließ sich gemeinsam mit der Direktorin Liselotte Kugler vom Robocoaster so heftig durchrütteln, dass die Gäste ganz mitleidig wurden. Dass von geschätzten 30 Millionen Tierarten auf der Welt erst 1,7 Millionen entdeckt wurden, war auch manchen sehr Gebildeten neu bei der Führung durchs Naturkundemuseum.

Unter dem Pergamonaltar folgte das Geburtstagsessen mit einer lustigen Ansprache von Peter-Klaus Schuster, der aus dem oben gezeigten, von Besuchermassen belagerten Orakel eine Lebensphilosophie für Götter herauszog, nach der diese den Kampf gegen die Giganten nicht ohne die Hilfe eines Sterblichen gewinnen konnten. Diese Einsicht sei auch nützlich für Aufsichtsratssitzungen.

Einen besonderen Blick für die kulturellen Schätze Berlins brachte Schmitz’ Lieblingsgast mit, Margot Friedlaender aus New York, deren Lebensgeschichte „Don’t call it Heimweh“ vor zwei Jahren beim Jewish Film Festival viele Zuschauer sehr berührt hat. Die 85-Jährige hat während der Nazizeit erst im Untergrund gelebt, dann das Lager Theresienstadt überlebt, ist mit ihrem Mann nach der Befreiung nach New York gegangen und erst nach dessen Tod zu Besuch nach Berlin gekommen. Treppauf, treppab machte sie mit offenen Augen die über sechsstündige Tour mit. Nach Mitternacht erzählt sie, was sie an diesem Abend besonders beeindruckt hat: „Dass die Menschen in Berlin mitten in der Nacht in Schlangen anstehen – um Kunst zu sehen.“ 

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