Musical : Die Show des Manitu

In drei Wochen feiert Bully Herbigs Indianer-Musical im Theater des Westens die Welt-Premiere. Ein Blick hinter die Kulissen der aufwändig produzierten Show.

Rita Nikolow
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In der Maske müssen dutzende Haarteile gepflegt werden. -Foto: D. Klaas

Hoffentlich schmelzen die Instrumente nicht. Denn die Musiker müssen für die neue Inszenierung umziehen, vom Orchestergraben auf eine Brücke über der Bühne – und direkt unter die Scheinwerfer. „34 Grad warm kann es hier schon werden“, sagt Produktionsmanager Nils Lunow.

Gleich nach dem Nikolaus kommen in diesem Jahr die Cowboys und Indianer. Am 7. Dezember hat im Theater des Westens der „Schuh des Manitu“ seine Premiere als Musical. Der gleichnamige Film von Michael „Bully“ Herbig war 2001 ein Riesenerfolg – fast zwölf Millionen Besucher wollten die Geschichte des Apachen-Häuptlings Abahachi, der sich mit seinem Blutsbruder Ranger auf Schatzsuche begibt, damals in den Kinos sehen. Das Buch für die Musical-Version hat der Schriftsteller John von Düffel geschrieben, Bully Herbig betreut das Projekt als „Kreativberater“.

Die Kulisse steht schon

Noch sind es drei Wochen bis zur Premiere, aber die Kulisse steht schon: Die Bühne des Theaters hat sich in einen hölzernen Saloon mit Klavier und zweigeteilter Eingangstür verwandelt, die Tür muss von den Darstellern jedes Mal nach Westernart aufgestoßen werden. Auf eine riesengroße weiße Leinwand können Landschaftsaufnahmen projiziert werden: „Für die Fotos sind unser Projektionsdesigner und der Bühnenbildner eine Woche lang durch die USA gereist und mit 2000 Fotos zurückgekommen“, sagt Nils Lunow, der Produktionsmanager. Ein Minenwagen steht ebenfalls auf der Bühne: In den sollen die Hauptfiguren später in einer Szene steigen, dann soll der Wagen wild hin und her ruckeln – damit der Eindruck entsteht, Mathias Schlung alias Abahachi und Mark Seibert alias Ranger rollten wie einst Indiana Jones durch eine düstere Mine. Heute wird das Gerät getestet, und zwar nicht von den Schauspielern: Eine Bühnentechnikerin setzt sich in den Wagen – und wird ordentlich durchgerüttelt. Die Frau wirkt zufrieden.


Weiter hinten auf der Bühne stehen Indianerzelte, ein Gartenzwerg, ein kleiner Plastikflamingo und bunte Marterpfähle. Und natürlich die Eisenbahn-Draisine. Fans des Kinofilms wissen, für welche Szene die gebraucht wird. Um den Filmstoff auf die Theaterbühne zu bringen, wurde schon vor Monaten ein internationales Expertenteam engagiert, das sonst zum großen Teil am Broadway arbeitet. Auch der Puppendesigner ist aus New York. Er hat zum Beispiel den weißen, flauschigen Hasen mit zwei unterschiedlichen Gesichtshälften entworfen: einer niedlichen und einer, die grimmig die Zähne fletscht. Oder die Stecken-Pferde mit den großen Köpfen, den treuen Plexiglas-Augen und einem besonderen Glanz in den Pupillen: „Das kommt vom Blattgold, mit dem das Auge verziert wurde“, sagt Chefrequisiteur Mike Grimm, der gerade eines der Pferdchen vor sich her trägt. 1,5 Kilo ist es schwer, das reicht, um beim Umherspringen auf der Bühne ins Schwitzen zu kommen.

Dutzende Perücken wurden geknüpft

Ein paar Stockwerke über der Bühne versucht Maskenbildnerin Anke Ludwig, den Überblick über die vielen Schöpfe der Indianer, Cowboys und Revuetänzerinnen zu behalten. Dutzende Perücken liegen in den Regalen. Die Frisuren sehen sehr gepflegt aus, machen aber viel Arbeit. Gerade dreht Anke Ludwig der Perücke von Bardame Uschi die Locken ein. Das muss sie ab Dezember dann auch nach jeder Vorstellung tun. „Bis auf die Hauptrollen trägt jedes Ensemblemitglied im Stück drei bis fünf verschiedene Perücken“, sagt sie. Spaß macht ihr die Arbeit aber trotzdem, auch, weil sie viel experimentieren kann: Im kleinen Nebenraum hat sie eine Indianerperücke aufgehängt, der dank eines Spezialgels die Haare zu Berge stehen.

Zurück auf der Bühne erklärt der Brite Barry, wie im „Schuh des Manitu“ gekämpft wird. Barry ist hauptberuflicher „Kampf-Choreograph“ und hat bereits für Roman Polanski und die BBC gearbeitet. „Bevor ich mir die Szenen ausdenke, schaue ich mir die Darsteller an und lese deren Körper“, sagt der Trainer. Mit athletischen Schauspielern entwickelt er dann andere Kombinationen als mit weniger Sportlichen. Für den „Schuh des Manitu“ hat Barry mit vielen Western-Klischees gearbeitet und typische Kampfbewegungen in die Choreographie eingebaut. Auch die weibliche Hauptfigur Uschi muss sich mit Raufbolden schlagen – ihre Choreographie nennt Barry eine „Hommage an die Liebe“.


Die Darsteller müssen das rollende R üben

Trainieren müssen die Darsteller für den „Schuh des Manitu“ übrigens noch eine andere Fähigkeit, die nicht jedem in die Wiege gelegt wurde: das Bayerisch-Sprechen. Dafür hat das Theater extra einen Coach engagiert. Damit das „R“ bald richtig rollt, wenn Winnetouch seine Besucher auf der Puderrosa-Ranch fragt: „Wollt’s an Prosecco?“

Nach der Premiere wird der „Schuh des Manitu“ ab dem 10. Dezember täglich außer montags im Theater des Westens, Kantstraße 12, gespielt. Die Karten kosten zwischen 39 und 104 Euro (zuzüglich Gebühren). Tickethotline: 0180/544 44, weitere Informationen gibt es online unter www.stage-entertainment.de.

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