Musik : Rund zum Feiern

1997 gründete das DJ-Team Jazzanova sein Label "Sonar Kollektiv". Zum Jubiläum gibt es eine große Party mit dem Motto: "Zehn Tage, zehn Jahre".

Nana Heymann
Feiern
Gemeinsam stark. Um befreundete Künstler zu fördern, gründeten Jazzanova 1997 ihr eigenes Label. -Foto: promo

Der Kofferraum des klapprigen VW Polos war vollbeladen mit schweren Plattenkisten, Alexander Barck und Jürgen von Knoblauch waren gerade auf dem Heimweg von einem Auftritt in Polen, als ihnen plötzlich dieser Gedanke kam: Warum nicht den vielen Künstlern, die sie im Berliner Nachtleben kennengelernt und für gut befunden hatten, eine eigene Plattform bieten? Warum der dominanten Technoszene nicht etwas Eigenes, etwas Handgemachtes entgegensetzen? Am Ende dieser Fahrt fiel den beiden Köpfen des Berliner DJ- und Produzentenkollektivs Jazzanova nichts ein, was dagegen sprach. Und so war sie entstanden, die Idee eines eigenen Plattenlabels.

Zehn Jahre liegt die Gründung von „Sonar Kollektiv“ zurück, ab morgen feiern Jazzanova das Jubiläum ihres Labels mit Sitz am Arkonaplatz in Mitte. „Zehn Tage, zehn Jahre“ – so lautet des Motto der Partys, die bis zum 21. Oktober unter anderem im Week-End, Tape und Cookies stattfinden. Neben DJ-Sets von Jazzanova gibt es auch Live-Auftritte von Künstlern, die durch „Sonar Kollektiv“ groß geworden sind. Am kommenden Sonntag zum Beispiel stellt Sängerin Clara Hill ihr neues Album „Sideways“ im Roten Salon vor. Und am darauf folgenden Mittwoch spielen Micatone im Quasimodo.

Etwa 200 Veröffentlichungen sind bislang auf „Sonar Kollektiv“ erschienen, unter anderem auch das Jazzanova-Album „In Between“. Wichtiger als die Quantität der Produktionen ist den Betreibern aber die Qualität, schließlich gelten Jazzanova selbst als Mitbegründer des so genannten Nujazz. Mit ihrer warmen Mischung aus Soul, Funk, Jazz und Breakbeats haben sie in den 90ern einen Clubsound geschaffen, der auch im Ausland schnell Anhänger fand. In Großbritannien etwa entdeckte der Radiomoderator und Labelbetreiber Gilles Peterson das Sextett für sich und nahm Kontakt auf. Seither spielt das Kollektiv regelmäßig in London.

Bei einem dieser Gastspiele kam es einst zu einer eigenwilligen Begebenheit: Vor einem anstehenden Clubauftritt besuchte Alexander Barck noch schnell einen Plattenladen, in dem gerade die neue Jazzanova-Single ausgeliefert wurde, eine basslastige Tanznummer. Die Verkäuferin legte sie auf den Plattenteller und spielte sie ab – allerdings mit der falschen Geschwindigkeit. Als Barck sie darauf aufmerksam machen wollte, wies die junge Frau ihn rüde zurück: Dies sei der neueste Jazzanova-Hit, und der müsse genau so klingen. Als kurz darauf Gilles Peterson in den Laden kam und die beiden einander vorstellte, lief die vermeintliche Musikexpertin rot an und entschuldigte sich für den unschönen Vorfall. Rückblickend gesteht Alexander Barck lachend: „Man hätte die Nummer aber tatsächlich auch langsamer abspielen können.“

Doch auch deutsche Musikliebhaber wissen den Sound von Jazzanova und Co zu schätzen. Einer von ihnen: Bundespräsident Horst Köhler. Nach einer Veranstaltung in Tokio kam er auf die DJs zu und bedankte sich – die Musik habe ihm ausgesprochen gut gefallen. Und Klaus Wowereit outet sich ebenfalls als Freund der gepflegten Clubmusik. In einem Grußwort zum Zehnjährigen schreibt er: „Mancher Musikrichtung hat das Sonar Kollektiv in Berlin zum Durchbruch verholfen.“ Auch für die nächste Dekade wünscht er den Betreibern „vor allem einen guten Riecher für neueste Trends“. Mehr Lob geht nicht.

Alexander Barck ist der Rummel um den runden Geburtstag unheimlich, vielleicht auch deshalb heißt die aktuelle Jubiläums-Compilation „Ten Years – Who Cares?“. Pünktlich zu Beginn der zehntägigen Party verabschiedet sich der 35-Jährige jedenfalls zu einer Clubtour durch die USA. „Ich bin keiner, der große Reden schwingt“, sagt Barck. Doch zum Jubiläum hätte man wohl genau das von ihm erwartet. Nun stehen für ihn Auftritte in Orlando, Philadelphia, Seattle und New York an. Im Gegensatz zu früher, als er noch mit einem klapprigen VW Polo zu seinen Terminen juckeln musste, ist mittlerweile wenigstens das Reisen angenehmer. Bei der letzten Clubtour durch die USA wurde ihm am Flughafen sogar ein roter Teppich ausgerollt.

Morgen um 23 Uhr beginnt im Week-End am Alexanderplatz die zehntägige Jubiläumsparty (Eintritt frei). Infos zu den weiteren Veranstaltungen unter www.sonarkollektiv.com.

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