Musik : Ukulelen in Kreuzberg

Was haben Marilyn Monroe, Stefan Raab und Harald Truetsch gemeinsam? Sie spielen Ukulele. Und Letzterer verkauft sie auch in seinem Kreuzberger Laden

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Harald Truetsch von „Leleland“ schwört auf das kleine Zupfinstrument, dass die Hawaiianer „hüpfender Floh“, also Ukulele, nennen.
Harald Truetsch von „Leleland“ schwört auf das kleine Zupfinstrument, dass die Hawaiianer „hüpfender Floh“, also Ukulele, nennen.Fotos: Kitty Kleist-Heinrich/Promo

Fühlt sich ganz leicht an. Wie Nichts in der Hand. Der kleine Holzkorpus ist glatt und die Finger der linken Hand müssen sich ganz schön krümmen, um am zierlichen Bund einen Akkord zu greifen. „Präng“, tönt es beim Anschlagen, „Präng“. Bisschen trocken, wie ein nicht ganz ausgewachsener Sound. Die Ukulele ist eben doch eine Kindergitarre.

„Um Gottes Willen, nein!“ Harald Truetsch reißt die Arme hoch und sagt, was er schon tausend Mal gesagt hat: Die Ukulele sei das hawaiianische Nationalinstrument, ein völlig eigenständiges Zupfinstrument noch dazu, auf der man von Klassik bis Rock alles spielen könne. „Und wenn die Ukulele eine kleine Gitarre ist, dann ist die Geige ein Kindercello.“ Okay, ein für alle Mal geklärt.

Trotzdem drückt man sich beim Bummeln auf der Gneisenaustraße in Kreuzberg belustigt die Nase an seiner Ladenscheibe platt. Niedlich: alles voller possierlicher Zupfinstrumente, rund 150 verschiedene Modelle, von der Ananas-Ukulele über E-Lelen zu schicken Tenor- und Bariton-Ukulelen von Gitarrenbauern wie Ibanez, Martin oder Cole Clarke. Mit vier, sechs oder acht Saiten, in Holz, Kunststoff oder Metall, von 30 bis 1100 Euro.

Vor einem halben Jahr hat der Grafikdesigner Truetsch seine Leidenschaft zum Geschäft gemacht und den ersten Ukulele-Laden der Stadt eröffnet: Leleland. „Eigentlich aus Ärger, weil’s in Deutschland und Europa so gut wie keine Ukulelen-Läden gibt und die Online-Shops nur drei, vier Hersteller führen“, sagt Hobby-Ukulelist Truetsch. Er bietet 36 an, die meisten fertigen in China.

An’s Reichwerden hat er dabei gar nicht gedacht. Doch wer weiß, inzwischen verkauft er drei bis sechs davon am Tag. Das Instrument, das die Hawaiianer im 19. Jahrhundert von einem Portugiesen abguckten und „hüpfender Floh“ getauft haben, ist inzwischen nicht nur putzig, sondern cool.

Unglaublich, wo einem das typische Präng-Präng in letzter Zeit so alles entgegentönt. Alt-Ukulelisten wie Marilyn Monroe in „Manche mögen’s heiß“, Tiny Tim, Stan und Olli, George Harrison, Götz Alsmann oder das kultige Ukulele Orchestra of Great Britain haben jede Menge Nachfolger bekommen: Popbands wie Train, Beirut, The Unthanks, She&Him und Songwriter wie Dent May oder Julia Nunes zupfen auf der Ukulele. Und sicher ist Deutschlands berühmtester TV-Ukulelist Stefan Raab dafür verantwortlich, dass auf dem Erstlingsalbum von Lena Meyer-Landrut im Hintergrund auf der Ukulele geschrammelt wird. Auch die britische Clubszene ist im Ukulele-Rausch. In London sind Pubs hip, wo statt Karaoke „KaraUke“, also Gesang zu Live-Ukulele-Begleitung läuft.

Touristen aus Europa und Amerika sind denn auch ein gut Teil Käufer im Kreuzberger Leleland. Auch welche aus dem Bundesgebiet, wo die Ukulelenfans über den ersten deutschen Ukulele-Club vernetzt sind. Vor drei Jahren ist er als Clubmitglied Nummer 260 eingetreten, sagt Harald Truetsch, jetzt seien es bereits 2100 Leute. In Berlin treffen sie sich regelmäßig im Gasthaus Valentin in Kreuzberg. Kommenden Sonnabend ist hier bundesweiter Ukulelen-Hotspot.

Die Ukulele liegt halt in der Luft, sagt Karlo Hackenberger. Sie sei einfach zu lernen, leicht zu transportieren und ein Zeichen der Zeit. „Das Gegenteil von iPod und iPad, nämlich akustisch, musikalisch minimalistisch, kurz: mehr down to earth als eine Ukulele geht gar nicht.“ Der Musiker aus Charlottenburg ist seit fünf Jahren unter dem Namen „Die kleinste Band der Welt“ fester Bestandteil der hiesigen Uke-Szene, zu der außerdem das Berlin Ukulele Orchestra und die Band The Lucky Leles gehören. Gelegentliche Dreier-Konzerte der Präng-Präng-Combos sind sehr spezielle, aber kurzweilige Abende.

Ein komischer Künstler, der sich ein komisches Instrument ausgesucht hat, will Karlo Hackenberger aber auf keinen Fall sein. Seine reduzierten Coversongs von Robbie Williams bis zu den Sex Pistols seien „Bleistiftskizzen, musikalische Strichmännchen“, eher rührend als witzig. Trotz oder wegen der Ukulele. Die hat er übrigens mal zum Geburtstag bekommen und sich sofort verliebt. Genau wie Harald Truetsch, dem das mit 18 passierte, und der mit 52 noch immer mit jeder Faser seines Herzens an der kleinen Klampfe hängt.

Wieso mehr als 80 Prozent der Ukulelen-Freaks Männer sind, obwohl die sonst gern die großen Gitarren-Poser mimen, kann er sich selber nicht erklären. Der am häufigsten im Laden zu hörende Satz sei jedenfalls: „Meine Frau bringt mich um, wenn ich schon wieder eine neue kaufe.“ Sind eben Hingucker, die Dinger, genau wie Schuhe.

Was er auf der Ukulele spielt? „Rock!“, kommt es wie aus der Pistole geschossen, selbstredend nur eigene Stücke. Kichern ist verboten, aber Grinsen erlaubt.

Leleland, Gneisenaustraße 52a, Kreuzberg, www.leleland.eu

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