Musikalienhandlung : Neue Töne

Die bedrohte Musikalienhandlung Riedel ist gerettet - und umgezogen.

Christoph Stollowsky
riedel
Sammlung nach Noten. Die neuen Räume des Riedel-Ladens. -Foto: Mike Wolff

Es war eine Rettungsaktion mit allen Höhen und Tiefen und einer Erlösung in letzter Sekunde: Mittwochabend wurde die seit zwei Jahren von Insolvenz bedrohte Musikalienhandlung Riedel an der Charlottenburger Uhlandstraße in ihren neuen Räumen offiziell eingeweiht. Die Firma „Bauer&Hieber“, ein Tochterunternehmen des deutschen Musikgroßhändlers „Loib GmbH“, hat das bislang an der Uhlandstraße 38 ansässige Berliner Traditionsgeschäft gekauft und einen kleinen Umzug organisiert. Nur ein paar Meter weiter mietete der neue Besitzer weitaus großzügigere Verkaufsräume. Dort, an der Hausnummer 42, wird nun das gesamte, teils hoch spezialisierte Notensortiment, wesentlich übersichtlicher angeboten.

Ohne den Einsatz des in Ingolstadt beheimateten Großhändlers wäre der Name „Musik-Riedel“ vermutlich in Kürze aus dem Berliner Stadtbild verschwunden. Doch nun prangt der Titel des 1910 an der Uhlandstraße gegründeten Familienunternehmens weiter über der neuen Schaufensterfront. Schon seit 2006 kämpfte der bisherige Besitzer Wolfgang Riedel mit Finanzproblemen und musste Insolvenz beantragen. Im Jahr 2007 schien dann ein Märchen wahr zu werden: Der Unternehmer Hans Wall kündigte an, er werde den Betrieb durch den Ankauf einer umfangreichen Notensammlung im Wert von 100 000 Euro retten und die Partituren dem Konservatorium in Sankt Petersburg schenken. Einzige Bedingung: Die Summe sollte ausreichen,um den Ruin abzuwenden. Dann stellte sich aber heraus, dass der Schuldenberg größer war, weshalb Wall wieder absprang. Danach versuchte Wolfgang Riedel seinen Laden durch den Ausverkauf der Lagerbestände zu retten – doch vergeblich. Er selbst ist im neuen Geschäft nicht mehr tätig.

450 Quadratmeter Fläche hat der jetzige Laden. Auf einen schnellen Blick kann man hier die ausgefallensten Klarinetten-Etüden, Saxophon-Soli oder Klavierstücke in hunderten übersichtlich beschrifteten Fächern entdecken. Früher erinnerte Musik-Riedel an eine verschachtelte Bibliothek, jetzt ist ein Supermarkt für Musikalien entstanden.

Dessen Chef, Gregor Bosch, hat seinen Beruf in Berlin gelernt und ist seit einigen Jahren für den Großhändler Loib tätig. Um auch eigene Läden zu betreiben, gründete die Loib GmbH eine Tochterfirma. Diese rettete zuallererst die insolvente Königliche Musikalienhandlung „Bauer& Hieber“ in München und gab sich deren Namen. „Musik-Riedel“ ist die fünfte Filiale der Musikalien-Kette. Die Konkurrenz der Internet-Shops sieht Gregor Bosch gelassen. „Musiker wollen sich hier inspirieren lassen und selbst in den Noten blättern.“

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