Musikpreis : Der Sound nach dem Echo

Bushido ätzte, die Scorpions tranken, Arne Friedrich fror: Tausende Promis feierten bis zum frühen Morgen im Postbahnhof.

Nana Heymann,Sebastian Leber
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Sonntag früh, 0.30 Uhr. Von oben rieselt der Schnee, von hinten drückt die Menschenmasse, vorn lässt der Türsteher niemanden mehr rein – nicht mal Arne Friedrich. Eine halbe Stunde muss der Kapitän von Hertha BSC im dünnen Sakko in der Kälte stehen, um auf die Aftershow-Party des Echos im Postbahnhof zu gelangen. Als er schließlich drin ist, sagte er leicht genervt: „Ich spiele lieber Fußball, da versteh’ ich mehr von.“

Noch kurz zuvor durfte Friedrich in der O2-World in Friedrichshain, wo die 18. Auflage des wichtigsten deutschen Musikpreises diesmal stattfand, eine Trophäe an Pierre Baigorry alias Peter Fox überreichen. Der Sänger des Berliner Dancehall-Kollektivs Seeed war der Abräumer des Abends. Er durfte sich über drei Auszeichnungen für sein Soloalbum „Stadtaffe“ freuen. Zur Aftershow-Party brachte er die kiloschweren Preise jedoch nicht mit, um beide Hände frei zu haben für die Drinks und Sandwiches.

Ich+Ich-Sänger Adel Tawil konnte es da immer noch kaum glauben, dass ihm an diesem Abend ein kleines Wunder gelungen war: Er hatte es geschafft, seine öffentlichkeitsscheue Musikpartnerin Annette Humpe zu überreden, ihn zur Preisverleihung zu begleiten. „Sie hatte viel Zeit, sich genau vorzubereiten“, sagte er. „Außerdem musste Annette ja nur reden und nicht musizieren. Sonst hätte sie sich geweigert.“ Dafür ließ sie die Aftershow-Party ausfallen. Mitsamt Echo war sie nach Hause gefahren, in ihre Wohnung am Lietzensee in Charlottenburg.

Auf einen Heimvorteil konnten jedoch nicht alle Berliner Künstler bauen. Rapper Bushido etwa ging leer aus. Er nahm es gelassen. „Ich habe ja schon vier Echos gewonnen, die stehen in meinem Laden am Alex.“ Besonders erfreut war er darüber, dass Stefanie Heinzmann als beste Pop-Sängerin ausgezeichnet wurde, in der Kategorie hatte er eine Laudatio gehalten. Heinzmann sei „cool“, für sie habe er per SMS gestimmt, als sie jüngst bei Stefan Raabs Nachwuchswettbewerb antrat. „Wenn Sarah Connor gewonnen hätte, hätte ich mich geweigert, ihr den Preis zu überreichen.“

Gefeiert wurde im Postbahnhof bis zum frühen Morgen. Die Scorpions freuten sich bei einigen Longdrinks über ihren Preis fürs Lebenswerk, wenige Meter neben ihnen saß der britische Casting-Star Paul Potts und konnte es nicht fassen, als bester internationaler Pop-Künstler ausgezeichnet worden zu sein. No-Angels- Sängerin Jessica tanzte zu Disco-Klassikern, ebenso wie Newcomer Oscar Loya. Gemeinsam mit Alex Christensen will er im Mai für Deutschland im Rennen um den Grand Prix antreten. Auf der Aftershow-Party gab sich Christensen selbstbewusst: „Es klingt vielleicht vermessen, aber ich fahre dahin, um zu gewinnen.“ Vor allem klingt es jetzt – nachdem man beim Echo das Lied zum ersten Mal gehört hat – ein wenig unrealistisch.

Gewonnen hat Felix Räuber von Polarkreis 18 nicht. Zwei Wochen nach dem Bundesvision Song Contest zog er erneut den Kürzeren gegen Peter Fox. Neidisch? Nein, im Gegenteil. „Ich bewundere ihn sehr und habe mir sogar seine Platte gekauft.“ Auch Musikmanager Dieter Gorny freute sich über die vielen Auszeichnungen für Fox, bedauerte jedoch, dass dieser nicht live aufgetreten war. Immerhin: „Zum Glück spielten U2. Da war klar, dass der Abend ein Erfolg werden würde.“

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