Stadtleben : Nachrichten

Pyranja, Rapperin, 29



„Tempelhof kann gerne dicht gemacht werden, denn erstens: Ich finde Tegel viel schöner. Und zweitens: Man könnte das Gelände wunderbar nutzen, am liebsten wäre mir ein hammerfetter Riesenpark im New-York-Style, sozusagen ein Friedrichshainer Volkspark in groß! Aber unbedingt für jedermann nutzbar und kostenlos. Die alten Gebäude können wir natürlich auch gut brauchen: Da sind schließlich jetzt schon Band-Proberäume drin.“

Heinz Buschkowsky , Bezirksbürgermeister von Neukölln, 59

„Ich bin in den Nachkriegsjahren in Neukölln geboren, also ein Kind der Luftbrücke. Deshalb habe auch ich viel Sympathie für den Flughafen. Die starken Emotionen, mit denen sich vor allem ältere Berliner gegen die Schließung wehren, kann ich gut verstehen. Aber wir müssen uns trotz aller Geschichtsträchtigkeit klar machen, dass dieser Airport inmitten großer Wohngebiete einfach nicht mehr zeitgemäß ist – schon alleine wegen des Lärms und der Gefahren, die von ihm ausgehen. Im Übrigen ist doch auch der neue Großflughafen BBI in Schönefeld ein citynaher Flughafen. Dessen Verbindungen zur Innenstadt werden bereits hervorragend ausgebaut.“

Tilmann Heuser, BUND-Geschäftsführer, 41

„Klar, dieser Flughafen hat eine herausragende Geschichte, weil er Berlin während der Luftbrücke einst das Überleben und die Zukunft sicherte. Aber gerade diese besondere Geschichte können wir für spätere Generationen viel besser erzählen und dokumentieren, wenn Tempelhof geschlossen wird. Erst dann ist es möglich, attraktive Erinnerungsstätten auf dem Gelände zu schaffen, die Historie erlebbar machen. Zum Beispiel durch ein Luftbrücken-Museum in den Gebäuden. Oder durch Baumalleen auf dem heutigen Rollfeld, an deren Stämmen Namensschilder an die Luftbrückenpiloten erinnern. Drumherum sollten familiengerechte, generationsübergreifende und ökologische Wohnsiedlungen entstehen. Das wäre für Berlin wieder ein mutiges ,Unternehmen Zukunft‘ – genauso wie die Luftbrücke.“



Moritz Rinke, Schriftsteller, 40

„Wer braucht denn wirklich Tempelhof? Symbole müssen ja nicht in Betrieb sein, man kann doch ein kleines Rosinenbomber-Museum hinstellen, umgeben von Wald, Park, Wiesen, Fußballplätzen. Luftbrücke war schön. Luft für die Anwohner ist jetzt vielleicht besser. Ansonsten könnte man sich ja mal Gedanken machen, wie man am Flughafen Schönefeld den S-Bahn-Bereich so ausstattet, dass es ein Osteuropäer schafft, auch mal in Mitte anzukommen anstatt in der Hermannstraße oder in Senftenberg.“

Volker Ludwig, Chef des Grips-Theaters, 71

„Unser ganzes Haus ist empört, welche Propagandawalze pro Tempelhof zur Zeit über Berlin rollt. Ich lasse mich nicht gerne auf diese Weise bedrängen. Und es ist auch jammerschade, dass die Fantasie in diesem ganzen Spektakel so wenig zum Zuge kommt. Auf dem Tempelhofer Feld kann man sich doch wunderbare Projekte vorstellen, hier könnte der ,Central-Park‘ von Berlin entstehen. Von der Gegenseite habe ich im Übrigen noch kein vernünftiges Argument für die Offenhaltung gehört. Dieser Flughafen ist überflüssig, defizitär, laut und ein Sicherheitsrisiko; er ist ökonomisch und ökologisch unsinnig. Wer Tempelhof wirklich ,retten‘ will, wie es so schön auf den Plakaten heißt, muss den Flughafen schnell schließen.“

Eckart von Hirschhausen, Kabarettist, 40

„Warum übernimmt nicht die Bahn Tempelhof und macht einen Bahnhof draus? Ich habe gehört, es gebe auch noch freie Transrapidkapazitäten. Dann hätte man endlich wieder einen Bahnhof in Berlin, der verkehrsgünstig gelegen ist. Es wird sowieso zu viel geflogen in Deutschland. Das wäre salomonisch und ökologisch gleichzeitig.“

Susanne Stumpenhusen, Verdi-Chefin, 53

„Schade, dass die Debatte um Tempelhof so unsachlich geworden ist und politisch instrumentalisiert wird. Das liegt am fehlenden Nachfolgekonzept, das leider viel zu spät angegangen wurde und noch nicht schlüssig vorliegt. Aber man kann sich ja eine Menge neuer Vorhaben auf dem Tempelhofer Feld vorstellen. All diese Projekte sind auf jeden Fall sinnvoller als der jetzige Flughafen. Ein Verkehrsflughafen würde dort ohnehin nicht mehr neu genehmigt, weil die heute vorgeschriebenen Sicherheitszonen in Tempelhof gar nicht einzuhalten sind.“

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