Naturkundemuseum : Saurier heiß

Unerwartet großer Besucherandrang führt zu tropischen Temperaturen im Naturkundemuseum.

Moritz Honert
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Volles Haus. Im Naturkundemuseum drängen sich die Besucher. -Foto: Mike Wolff

So originalgetreu wie möglich sollte es sein. Und zwar nicht nur die Modelle und Rekonstruktionen der Saurierskelette selbst, sondern auch ihre Umgebung. Sogar an eine Klanglandschaft hatten die Macher der seit dem 13. Juli laufenden Ausstellung „Evolution in Aktion“ im Museum für Naturkunde gedacht. Und so zirpen nun im Lichthof des Museums, wo die sieben Dinoskelette stehen, Grillen vom Tonband.

Jetzt ist ein Besuch des Hauses in der Invalidenstraße in Mitte noch etwas authentischer geworden. Denn auch die Temperaturen entsprechen inzwischen mitunter den Gegebenheiten von vor 150 Millionen Jahren – der Zeit, als die ausgestellten Saurier die Erde bevölkerten. Mehr als 25 Grad wurden nach Museumsangaben in den vergangenen Tagen in der Halle gemessen. Beschwerden habe es jedoch nicht gegeben.

Ursache für den Temperaturanstieg ist unter anderem der unerwartete Ansturm der Besucher. „In den ersten Tagen kamen rund 12 000 Menschen, inzwischen noch rund 3000 täglich“, heißt es aus dem Museum. Immer noch ein Vielfaches der rund 800 Besucher pro Tag, die vor der Neugestaltung kamen. „Jeder davon produziert eine Wärmeleistung von rund 70 Watt“, sagt der Leiter der Ausstellung, Ferdinand Damaschun. 3 000 mal 70 Watt zusätzlich zu der Leistung der unter dem von der Sonne aufgeheizten Glasdach der Saurierhalle hängenden Scheinwerfer. Die im Zuge der 17,7 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten und Ausstellungsvorbereitungen neu eingebaute Lüftungsanlage kommt dagegen nicht mehr an. „Der Firma ist jedoch kein Vorwurf zu machen“, sagt Stefanie Schmidt, Sprecherin des Museums. „Normalerweise benötigt ein Naturkundemuseum keine Klimaanlage.“ Anders als Bilder in Galerien, bräuchten die Knochen, die Millionen von Jahren in der Erde gelegen hätten, keine bestimmte Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Auch die Ausstellungtechnik arbeite einwandfrei.

Trotzdem soll jetzt schnell Abhilfe geschaffen werden. Am heutigen Donnerstag wollen die Verantwortlichen über eine Nachrüstung der Lüftungsanlage beraten. Unklar ist jedoch, wie teuer eine solche wäre, und wer die Kosten übernehmen soll. Moritz Honert

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