Nena-Auftritt : Comeback statt Krise

Auftritt der Woche: Am Freitag singt Nena in der Zitadelle - mit Unterstützung ihrer Tochter. Zu hören dürfte es eher Bekanntes geben. Danach beginnt für die Sängerin der Stress: neue Alben, neue Mode und eine Tour durch Japan.

Sebastian Leber
Nena
Nena ist wieder da und singt - auch alte Hits wie "99 Luftballons". -Foto: ddp

Klar spielt sie ihre „99 Luftballons“. Ein Nena-Konzert ohne diesen Hit ist doch gar nicht vorstellbar, sagt sie. Und dass es ihr immer noch Spaß macht, von Düsenfliegern und Kriegsministern und dem Streichholz mit Benzinkanistern zu singen. Am Freitag wird sie es in der Zitadelle Spandau tun. Noch gibt es Karten, aber es wird eng werden im Publikum. Schließlich hat man länger nichts von Nena gehört – zumindest nichts Neues. Ihre letzten Veröffentlichungen waren ein Best-of, ein Sammler-Album mit alten Stücken und eine CD, auf der sie Songs anderer Künstler coverte. Fällt Nena mit 48 nichts mehr ein?

Stimmt nicht, sagt sie. Die Sängerin hatte bloß viel zu tun. Zum Beispiel mit der Privatschule, die sie in Hamburg gegründet hat. In der werden Schüler nicht zensiert, es gibt auch keinen Stundenplan und keine festen Unterrichtsfächer. Die Warteliste für einen Platz ist lang, aber es gab auch eine Menge Kritik. Beziehungsweise „Verleumdung“, wie Nena es nennt. Besonders schlimm wurde es, als die ersten unzufriedenen Eltern ihre Kinder von der Schule nahmen. Die waren zu ungeduldig, sagt Nena. Doch sie bekam auch Lob: Im Mai wurde die Schule in Berlin mit dem „Deutschen Preis für Wirtschaftskommunikation“ ausgezeichnet. Nena nahm ihn persönlich entgegen – eine echte Abwechslung zu all den Echos, Cometen und Goldenen Stimmgabeln, die ihr sonst überreicht werden. In Berlin könnte es bald eine ähnliche Schule geben, eine Initiative in Prenzlauer Berg setzt sich dafür ein.

Außerdem hat Nena ein Modelabel gegründet. „Laugh & Peas“ heißt es, die selbstkreierten Hosen, Jacken und Kleider kommen im Herbst auf den Markt. Und Nena plant gleich zwei neue CDs: ein Popalbum, wie man es von ihr gewohnt ist, und eine Platte mit Kinderliedern. Bei ersterem hilft der Berliner Produzent Uwe Fahrenkrog-Petersen, mit dem ist Nena befreundet, seit er in den Achtzigern in ihrer Band die Keyboards bediente. Er schrieb auch die Melodie zu „99 Luftballons“.

Kann gut sein, dass sie Teile des neuen Albums in Berlin aufnehmen, sagt Nena. Dann hätte sie ein paar Wochen Zeit, die Stadt neu zu entdecken. Berlin war wichtig für Nenas Karriere, zwischen 1981 und 1996 hat sie hier gelebt, sie verbrachte viel Zeit in der Oranienstraße, besonders im SO 36. Hier hat sie auch Kontakte geknüpft zu Jim Rakete und den Mitgliedern von Spliff.

Fahrenkrog-Petersen wird beim Zitadellen-Konzert nicht mit auf der Bühne stehen. Aber dafür Nenas Tochter Larissa. Sie singen gemeinsam „Wunder geschehen“, vielleicht noch eine Zugabe. Fahrenkrog-Petersen soll Nena bei einem anderen Großprojekt helfen. Sie plant ein Comeback in Japan, mit ausgedehnter Tour. Und vielleicht mal ein Konzert in New York. Es wäre ihr erster Live-Auftritt in den Staaten, und das, obwohl sich ihre Single „99 red balloons“ dort mehrere hunderttausend Mal verkauft hat. „Irgendwie kam es nie dazu“, sagt Nena. Aber Freunde aus den USA erzählten ihr ständig, dass der Song noch immer in den Clubs gespielt werde – obwohl 24 Jahre vergangen sind. Und obwohl das Lied nach dem 11. September 2001 auf die Liste der Songs gesetzt wurden, die aus Pietätsgründen besser nicht gespielt werden sollten. Warum, weiß Nena nicht. Eigentlich ist es doch ein Friedenslied.

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