Neue Revue im Friedrichstadtpalast : Las Vegas liegt an der Friedrichstraße

„Yma“ heißt die neue Revue im Friedrichstadtpalast. Die Kostüme sind von Michael Michalsky.

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Nichts ist, wie es scheint. Showtitelheldin Yma wird von einem Mann gespielt. Und Michalskys Kostüme sind meist skulptural statt flatterhaft. Foto: Promo/Stephan Gustavus
Nichts ist, wie es scheint. Showtitelheldin Yma wird von einem Mann gespielt. Und Michalskys Kostüme sind meist skulptural statt...

Das Dollste am Friedrichstadtpalast ist, dass immer alles ganz besonders doll ist. Die größte Theaterbühne der Welt, die längste Girlsreihe, Europas größter Showpalast, „Qi – Berlins größte Show“ – ein Superlativ jagt den nächsten. Wenn einer das Gewinnercredo „Think big!“ verinnerlicht hat, dann Intendant Berndt Schmidt, der an 300 Tagen im Jahr immerhin je 1895 Plätze zu füllen hat.

Auch bei der ersten Präsentation der neuen Show „Yma“ gestern im geheimnisvoll abgedunkelten Saal holt Schmidt unter wummernden Herzschlägen mal wieder die ganz große Promopauke raus. Die Revue mit acht Millionen Euro Produktionsbudget hat zwar erst am 2. September Premiere, aber der Vorverkauf läuft längst. 35 000 Karten seien schon weg, teilt der Intendant mit. Und im vergangenen Jahr gab es eine Rekordauslastung von 75 Prozent, was den Friedrichstadtpalast rein publikumsmengenmäßig zum ersten Haus am Platze mache. Mit der neuen Show „Yma“, die – genau wie die von einer halben Million Menschen besuchte Show „Qi“ – wieder von Jürgen Nass und Roland Welke konzipiert und geschrieben wurde, soll Berlin showmäßig endgültig zu Las Vegas aufschließen.

Was zu erwarten ist? „Ein Showtornado, der alles mitreißt“, sagt Berndt Schmidt. „Zu schön, um wahr zu sein“, wie der Untertitel verheißt. Eine Bühnenillusion, fernab vom Alltäglichen, fernab vom Gewohnten. Große Pauke, wie gesagt. Die titelgebende Fantasieheldin ist zugleich die Moderatorin der Gesangs-, Tanz- und Akrobatik-Revue. Ihr total verrücktes Leben liefert die Rahmenhandlung. Mehr ist über die 30 Jahre alte, 1,78 Meter große, irgendwie eurasisch anmutende Schönheit noch nicht bekannt, außer dass sie von Andreas Swoboda dargestellt wird. Ein Mann – wieso? „Nicht als schrille Travestie“, sagt Schmidt, „sondern als Allegorie der Toleranz.“ Und womöglich merke das gar keiner.

Nicht zu übersehen sein werden dagegen die 500 Kostüme des Stardesigners Michael Michalsky. „Yma“ ist seine erste Show-Couture überhaupt. In dunklem Denim, weißen Sneakern, mit blitzendem Brilli im Ohr spricht er artig von „großer Ehre“, „freundschaftlicher Verbundenheit“ und seiner Affinität zu theatralischen Inszenierungen. Die hat er bei eigenen Modeshows schon zweimal hier gezeigt. Die komplette Ausstattung einer Revue in 34 Bildern braucht eine ganze Kostümabteilung. „Die hier ist das Paradies auf Erden für mich“, sagt Michalsky. So expressive Kopfwülste und Puffärmel hat das erstmals auch artistisch geforderte Ballett denn auch noch nicht getragen. Optisch überwältigen sollen außerdem die bis in den Zuschauerraum wachsenden visuellen Gimmicks wie Projektionen und LED-Teppiche. Ob die dazu tanzenden Topbreakdancer der Stadt, die Flying Steps, Mode von Michalsky tragen werden, ist ungewiss. Klar aber ist eins, sagt Berndt Schmidt: „Yma“ wird mit über 100 Bühnenkünstlern die größte Premiere des Jahres. Und zwar weltweit. Hat er extra checken lassen. Doll.

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