Neue Show "Yma" : Von wem sich Michalsky inspirieren lässt

Eine knappe Woche noch, dann feiert „Yma“ im Friedrichstadtpalast Premiere. Cher, Lady Gaga und Oskar Schlemmer haben Michael Michalsky bei der Gestaltung seiner Kostüme beeinflusst.

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Foto: REUTERS

Die Girlreihe trägt jetzt PVC. Schillernde Gürtel aus reflektierender Folie, die ständig ihre Farben wechseln, je nachdem, aus welchem Winkel man gerade draufschaut. Und wasserfest sind sie auch. Müssen sie sein.

Eine knappe Woche noch, dann feiert „Yma“ im Friedrichstadtpalast Premiere. Mit einem Budget von acht Millionen Euro ist sie die teuerste und aufwendigste Revue in der Geschichte des Hauses, heißt es. Womöglich auch die glamouröseste. Designer Michael Michalsky hat alle Kostüme entworfen, viele paillettenverziert, irisierend, mit Corsagen oder angedeuteten Engelsflügeln, andere erinnern an Gladiatoren-Outfits.

In den vergangenen Wochen war der 43-Jährige immer wieder zu Besuch, nahm den Bühneneingang hinten in der Kalkscheunenstraße, ist die Treppen rauf in den dritten Stock, erst links bis zum Knick und dann rechts den Gang runter, ganz durch bis zum Raum 335. Hier hat Anja Diefenbach ihr Büro, die Kostümdirektorin des Palasts. Ihre Aufgabe war, Michalskys Ideen in den hauseigenen Werkstätten umzusetzen, die gelieferten Entwürfe bühnentauglich zu machen. Denn deren Träger müssen nicht nur gut darin aussehen, sondern auch tanzen, turnen, an Seilen hangeln oder auf Trampolins springen. Bereits im Februar suchte Diefenbach nach geeigneten Stoffen, im März lieferte Michalsky seine ersten Entwürfe ab. Natürlich ist er auch bei den Anproben dabei, nimmt jedes der 500 Kostüme einzeln ab. Zum Beispiel das Kleid aus Position 33, der Schluss-Szene, es ist aus schwarzer Nylongaze, Tänzerin Dorothea steckt drin. „Sehr schön“, sagt er, „so hab ich mir das vorgestellt“. Bloß der dunkle Nietengürtel muss noch fixiert werden, der hängt ein bisschen. Und bei der strohblonden Perücke müsse man aufpassen, dass die „nicht zu heidimäßig“ rüberkomme. Doch Michalsky hat eine Idee, lässt Dorothea einfach mehrere Reihen Strass ins Kunsthaar stecken. „Hier oben eine und da zwei und unten am besten gleich drei.“ Mit Strass verhält es sich bei Michalsky so: Wenn man glaubt, mehr geht gar nicht, ist es noch lange nicht genug. Einen hohen Glamfaktor attestiert Anja Diefenbach seinen Kreationen. Inspirieren ließ er sich von Cher und Lady Gaga, aber auch von Oskar Schlemmers Triadischem Ballett aus den zwanziger Jahren. Michalsky sagt, er konnte sich endlich mal austoben. Konnte wagen, was die Kollektionen seines eigenen Labels sprengen würde. Bei denen orientiert sich Michalsky nämlich an der Tragbarkeit auf der Straße – riesige Alienhüte und Lederhosen, bei denen falschrum eingenähte BH-Einlagen die Pobacken ausformen, sind dort undenkbar.

Eines sollten seine Entwürfe bitte schön nicht sein: erwartbar. „Klassisch haben wir draußen vor der Tür gelassen“, sagt er, nein singt er, und alle im Raum müssen grinsen. Das sind die Momente, in denen man nicht weiß, ob Michael Michalsky gerade eine Rolle spielt oder sich köstlich amüsiert über die Umstehenden, die glauben, dass er gerade eine Rolle spielt.

Michalsky war nicht immer Revue-Fan. Er hatte auch seine Vorurteile. Zum Beispiel, dass Revuen für ältere Leute gemacht werden. Aber dann veranstaltete er selbst zwei Mal seine „Style Night“ im Rahmen der Fashion Week im Friedrichstadtpalast, begeisterte sich für die riesige Bühne und die Möglichkeiten, die sich hier bieten. Für raumgreifende Choreografien, für aufregende Kulissen und Lichtshows. Sieht man genau hin, ist Michalskys Engagement eigentlich keine Sensation, sondern ein sinniger Schachzug in der Entwicklung des Hauses. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich das vormals pleitebedrohte Revuetheater aus der Krise gespielt und einen spektakulären Imagewandel vollzogen. Großen Anteil daran hat Intendant Berndt Schmidt, der mit der Fantastshow „Qi“ auf eine forschere Form der Revue setzte. Verkaufte Karten im Wert von 17 Millionen Euro haben ihm im vergangenen Jahr einen Umsatzrekord gebracht. „Yma“ soll daran anknüpfen.

Über die Handlung ist noch wenig bekannt. „Wird ’ne Überraschung“, sagt Michalsky. Überhaupt ist er darauf bedacht, nie mehr als nötig zu verraten. Die Perücken in der Tango-Szene zum Beispiel, die seien die allerbesten. Wie denn genau? „Sag ich nicht.“ Anja Diefenbach ist da auskunftsfreudiger. Führt durch die Kostümabteilung, 42 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, zeigt Stirnbänder aus einem Kunststoff, mit dem man sonst Taucheranzüge anfertigt, dazu übergroße, goldene Reißverschlüsse, die sie in einem Laden in Soho aufgetan hat. In „Yma“ werden sie zur Hutverzierung. Es gibt eine Mappe im dritten Stock, die Anja Diefenbach nur „unsere Bibel“ nennt. „Die ist absolut holy.“ In ihr werden die Entwürfe aller Kostüme aufbewahrt, und wer drin blättert, kann erahnen, wie komplex die Kunst der Kostümschneiderei ist, wie stark sich die Entwürfe im Laufe der Wochen immer wieder verändert haben. Die Tänzerinnen der Girlreihe sollten ursprünglich Handschuhe und Hüte tragen. Und auch bei den High Heels mussten sie Kompromisse machen. Michalsky liebt High Heels. „14 Zentimeter find ich gut“, sagt er. Aber wer damit turnt, bricht sich Beine. Jetzt sind es immerhin acht.

Friedrichstadtpalast, ab 2. September, Karten 17-104 Euro, Tel. 23 26 23 26

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