Neues Album : Die Musik zum Witz

Kabarettist Rüdiger Hoffmann hat sein erstes Album als Sänger veröffentlicht. Mit "Sex oder Liebe" geht er nun auf Tour.

Hoffmann
Immer humorig. Rüdiger Hoffmann -Foto: promo

Die Begrüßungsansprache für seinen Sohn hatte sich Rüdiger Hoffmann schon vor dessen Geburt zurechtgelegt. Wie immer, wenn der Kabarettist vor Publikum tritt, sollte sie mit den Worten „Ja hallo erst mal“ beginnen. Doch als Hoffmann im Kreißsaal stand und sein Kind zum ersten Mal im Arm hielt, verschlug es ihm die Sprache. Als er sie schließlich wiederfand, reichte es nur für gefühlsduseliges Gestammel: „Ist der süß!“

Mittlerweile hat der gebürtige Paderborner sein Gefühlschaos gebändigt, Sohn Mika ist inzwischen sechs Monate alt. Mit ihm hat sich nicht nur Hoffmanns Privatleben stark verändert, auch beruflich versucht der Ostwestfale Neues: Er singt nun und hat gerade sein erstes Musikalbum veröffentlicht. „Sex oder Liebe“ heißt es, auf der Platte arbeitet sich der 43-Jährige an den verschiedenen Facetten menschlichen Zusammenseins ab. Mal propagiert er, „das Körperliche kann warten“, mal „poppen ist erlaubt“. Seit dieser Woche ist Rüdiger Hoffmann auf Tour, im nächsten Jahr macht er auch Halt in Berlin.

Seine Leidenschaft für die Musik hat der Kabarettist nicht erst seit der Geburt seines Sohnes entdeckt, für den er oft und gerne singt. „Ich habe schon als Teenager in verschiedenen Bands gespielt, und auch mein Vater war Musiker“, sagt er. Außerdem habe er schon in früheren Programmen immer wieder Gesangsnummern eingestreut, ein ganzes Album lag daher nahe. Die CD nahm Rüdiger Hoffmann mit Frank Ramond und Matthias Haas auf. Die haben bereits Lieder für Roger Cicero und Annett Louisan geschrieben und wurden mit dem „Echo“ ausgezeichnet. Für Hoffmann komponierten sie krachende Rocksongs, die mitunter an Rammstein erinnern, aber auch ruhige Balladen.

Privat mag es Rüdiger Hoffmann eher laut und rockig. Daheim in Bonn hört er zum Beispiel gerne die australische Rockband AC/DC. Als er kürzlich in Hamburg sein Album zum ersten Mal vorstellte, trug er zwar keine Schuluniform wie deren berühmter Frontmann, aber immerhin auch kurze Hosen. „Da sah ich ein bisschen aus wie Angus Young“, sagt Hoffmann. Deutsche Alleinunterhalter haben mit internationalen Rockstars offenbar doch mehr gemein, als man denkt.

Dass Rüdiger Hoffmann seine Tour in der westdeutschen Provinz beginnt, hat einen guten Grund: Er braucht immer eine Weile, bis er sich warmgespielt hat. Erst dann traut er sich in die großen Städte. Und noch ein Ritual ist ihm wichtig: Unmittelbar bevor er auf die Bühne geht, darf ihn niemand stören. Da zieht sich Hoffmann in seine Umkleide zurück und versucht, zur Ruhe zu kommen. „Da sammle ich Energie, um zwei Stunden lang mein Programm durchzuziehen.“ Wenn das erfolgreich über die Bühne gegangen ist, gibt’s im Anschluss ein Bier, manchmal auch zwei – „dann ist Rock ’n’ Roll angesagt“.

Mehr als 25 Jahre steht Rüdiger Hoffmann nun schon auf der Bühne. Genug Zeit also, um sich ein Bild über regionale Eigenheiten in Sachen Humor zu machen. Während das Berliner Publikum unkompliziert und leicht zum Lachen zu bringen ist, kommen seine Landsleute aus Ostwestfalen nie so richtig aus sich heraus. „Für die ist das, was ich erzähle, Alltag. Aber wenn ich in deren regungslose Gesichter sehe, muss ich selbst lachen.“

Die Entscheidung zwischen „Sex oder Liebe“ hat Rüdiger Hoffmann für sich selbst übrigens längst beantwortet: Sohn Mika ist das Ergebnis aus beidem. Und wenn Hoffmann im kommenden Jahr in Berlin auf der Bühne steht, wird er sein Publikum wie gewohnt begrüßen: „Ja hallo erst mal.“

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