Neues Museum : Spontan geht gar nichts

Großer Andrang: Ins Neue Museum, das vor einer Woche wiedereröffnet wurde, kommt man nur mit Zeitticket. Wer nicht rechtzeitig bucht, muss draußen bleiben.

Sandra Dassler
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Berliner Wahrzeichen: Nofretete.Foto: Uwe Steinert

Sie haben so viele Jahrzehnte auf die Begegnung mit Nofretete gewartet. Und nun müssen sie sich noch einmal eine Stunde länger gedulden: „What? It’s winter time?“ Die freundliche ältere Dame, die am Eingang zum Neuen Museum ihr Ticket zeigt, schaut verdutzt auf ihre Armbanduhr und wechselt in den schönsten österreichischen Dialekt: „Ah, da ham sie in Europa letzte Nacht die Uhr’n umg’stellt?“ Dann lächelt die Jüdin Susi Soo, die aus Wien flüchtete, als Hitler dort einmarschierte, ihren Mann Edward an, der als amerikanischer Soldat das Konzentrationslager Dachau mit befreit hat: „Halb so wild, Schatzi. Dann geh’n ma erst noch an Kaffee trinken.“

Das Ehepaar aus New Jersey nimmt es gelassen, dass die Zeit auf ihren Tickets nicht mit der Tageszeit übereinstimmt. Auch andere Besucher waren wegen der Uhrenumstellung zu früh da. Weniger freundlich reagierten aber jene, die am gestrigen Sonntag überhaupt nicht ins Neue Museum kamen. Noch hat sich wohl nicht herumgesprochen, dass der Einlass über ein sogenanntes Zeitfensterticket geregelt ist: Die Eintrittskarten gelten für ein halbstündiges Zeitfenster, in dem man eingelassen wird. Das soll lange Wartezeiten verhindern und die Zahl der Besucher beschränken. Die nicht überfüllten Ausstellungsräume erweisen sich als wohltuend.

Allerdings haben Kurzentschlossene oder nicht informierte Tagestouristen das Nachsehen. „Ich bin nur heute hier“, sagt Susanne Larsen. „Ich bin extra wegen Nofretete nach Berlin gereist. Und nun komme ich hier nicht rein.“ Der in Rom lebenden Dänin hätte es auch nicht geholfen, wenn sie früher aufgestanden wäre. „Die Karten für Sonntag waren schon am Sonnabendnachmittag weg“, sagt der Mann am Ticketverkauf. Wer keine Dauerkarte hat, kommt nicht mehr rein. Bei der Eröffnung hieß es noch, an den Tageskassen sollten Restkarten für alle Zeitfenster zu haben sein. „Wir haben nur versprochen, dass man nicht lange warten muss“, sagt Sprecherin Anne Schäfer-Junker: „Wenn ausverkauft ist, ist ausverkauft.“

Jesper Laursen, der seinem für einen Tag aus London angereisten Freund das Neue Museum zeigen wollte, zeigt Verständnis: „Das muss sich erst noch einspielen“, sagt er. Nur sein siebenjähriger Sohn David Til ist ein wenig traurig: „Ich wollte doch die Schätze sehen.“ Der achtjährige Tiberius und die vierjährige Marta haben es hingegen gestern ins Museum geschafft. Und sie sind auch ein wenig geschafft von den vielen Eindrücken. Sitzen mit Mama auf der Eingangstreppe und erzählen von Ägyptern und dem Skarabäus.

Viele Besucher hätten Kinder dabei, berichtet ein Angestellter. „Man staunt, wie interessiert die Kleinen sind.“ Der achtjährige Johannes Freitag aus Leipzig zum Beispiel hat lange auf Nofretete geschaut. „Im Fernsehen haben sie eine Dokumentation gebracht, dass da noch ein innerer Kopf unter dem äußeren ist“, erzählt er begeistert. Im speziell für Kinder eingerichteten Museumsshop blättert die zehnjährige Edina Hadzalic aus Hannover in Büchern über Hieroglyphen: „Einige kann ich schon übersetzen“, sagt sie stolz.

Ganz oben bei der Frühgeschichte dürfen Kinder sogar etwas, was sonst überall im Neuen Museum streng verboten ist: Ausstellungsstücke anfassen. Und wer wollte nicht schon einmal einen echten Faustkeil berühren?

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