Neukölln : Britz im Britta-Fieber

Neuköllner Fans feiern ihre Berliner Schwimmstars im Sportbad: Knapp 300 Kinder und ihre Eltern können es kaum erwarten: Die Schwimmhelden Britta Steffen und Benjamin Starke sind nach Neukölln gekommen – nicht lebensecht, aber auf Großleinwand.

Tanja Tricarico
290910_0_d6754565.jpg
Die öffentliche Figur. Britta Steffen freut sich mit Daniela Samulski über ihren Weltrekord, den sie in der Staffel erreichte....dpa

BerlinOlivia tippt auf 52.05 Sekunden für 100 Meter Freistil. „Das schafft Britta,“ sagt die 12-Jährige und tackert den Wettschein an einer Pinnwand fest. Rund 300 Kinder, Eltern und Freunde der Schwimm-Gemeinschaft (SG) Neukölln sind am Freitagabend ins Sportbad nach Britz gekommen. Der Lauf über 100 Meter Freistil mit Britta Steffen überträgt der Verein auf Leinwand. Steffen ist Olivias Vorbild. Seit sechs Jahren trainiert die Schülerin in Britz. Fünf Mal die Woche, manchmal öfters. „Ich will auch mal Leistungsschwimmerin werden,“ sagt Olivia.

Die SG Neukölln hat die Übertragung zum römischen Volksfest gemacht. Es gibt Pasta, Wein und Traubensaft. Im Hintergrund krächzt Adriano Celentano ein rauchiges „Azzuro“. Gegen halb sechs wird Michael Rochlitz langsam unruhig. In knapp dreißig Minuten wird es Ernst für Britta Steffen. „Wir hoffen natürlich auf eine Goldmedaille,“ sagt er. Seit dreißig Jahren ist Rochlitz Mitglied in der SG Neukölln. Eine wie Britta Steffen im Verein zu haben, macht ihn besonders stolz. „Sie spornt die Kinder an,“ sagt Rochlitz. Sein Enkel hat für die Athletin aus Legosteinen ein Schwimmbad gebaut. Mittendrin die Schwimmerin als Spielfigur. Ein Foto davon hat Rochlitz der zweifachen Olympiasiegerin geschickt: Sie war schwer beeindruckt. Und schickte gleich ein Autogramm. „Britta ist auf dem Teppich geblieben,“ sagt Rochlitz.

Wenn Steffen in Berlin ist, trainiert sie im Olympiastützpunkt in Hohenschönhausen, oft besucht sie ihren Schwimmverein in Neukölln. Nicht nur zu Autogrammstunden, sondern auch für Trainingseinheiten. Die Kinder liegen ihr am Herzen, sie ist auch für ihr Engagement für benachteiligte Jugendliche bekannt.

Kurz nach 18 Uhr taucht das Foro Italico in Rom auf der Leinwand auf. Schlagartig wird es laut in Britz. Tröten, Hupen, johlende Kinder. In Rom positioniert sich Britta Steffen auf dem Startblock. Startschuss. Und los. In Britz springt Olivia auf einen Stuhl, um besser sehen zu können. Ungeduldig hüpft sie von einem Bein aufs andere, klatscht. Auf den letzten Metern von Steffens Lauf verharrt sie, blickt starr auf die Leinwand. Dann endlich. Steffen wird erste. Mit 52.07 Sekunden. Olivia fällt ihrer Freundin Viktoria um den Hals, die neben ihr steht. Olivias Tip war zwar nicht richtig. Dass Steffen gewinnen würde, dessen war sie sich aber ganz sicher. Tanja Tricarico

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben