Neuköllner Oper : Ein Stoff für die Bühne: Mosi und die Männer

Aufstieg und Fall des Modemachers Rudolph Moshammer. Regisseur Robert Lehmeier inszeniert dessen Leben jetzt an der Neuköllner Oper.

Nana Heymann
Moshammer-Oper
Hubert Wild (l.) gibt den Moshammer, Markus Vollberg spielt den Mörder. -Foto: Thilo Rückeis

An einem kalten Januarabend flaniert Modemacher Rudolph Moshammer durch München, auf der Suche nach einer Straße spricht er einen Mann an. Der merkt schnell, dass es nicht um Orientierungshilfe geht – sondern um eine schnelle Nummer. Kokett packt er Mosi bei der Krawatte: „Du Tunte, dir dreh’ ich den Saft ab im Nu“, flüstert der Fremde, aber Mosi überhört die drohenden Worte. Der Abend wird einen verhängnisvollen Verlauf nehmen.

An der Neuköllner Oper will Regisseur Robert Lehmeier nicht nur die Nacht rekonstruieren, in der Rudolph Moshammer in seiner Villa von einem Stricher erdrosselt wurde, sondern auch dessen Aufstieg von einem mäßig begabten Herrenschneider zur schillernden Medienfigur. Seit Anfang Juli laufen die Proben zur „Moshammeroper“, die erstmals kommenden Donnerstag aufgeführt wird.

„Der Stoff lag auf der Straße und schrie danach, gestaltet zu werden“, sagt Ralph Hammerthaler, der das Libretto geschrieben hat. Er hat lange in München gelebt, ist Moshammer aber nie persönlich begegnet. Trotzdem erinnert er sich genau an die Todesschlagzeilen. Gut anderthalb Jahre hat er an der Oper gearbeitet. In Vorbereitung dafür las er Moshammers Bücher („Mama und ich“, „Ich, Daisy: Bekenntnisse einer Hundedame“) sowie Biografien. Er besuchte auch den Prozess, in dem Stricher Herisch A. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. „Das Phänomen Moshammer ist für die heutige Zeit symptomatisch“, sagt Hammerthaler, „es zeigt, wie sich ein Mensch ohne besondere Fähigkeiten zu einer Kunstfigur entwickeln kann.“

Wer glaubt, die Oper sei reiner Trash, der irrt. „Natürlich hätte ich Moshammer in fünf Minuten in die Pfanne hauen können, aber das wäre mir zu langweilig“, sagt Regisseur Robert Lehmeier. Er wolle mit seiner Inszenierung das Spiel zwischen Prominenten, Medien und Konsumenten aufzeigen: „Es geht um die Abhängigkeit der Performance von allen Mitspielern.“ Mitspielen wird natürlich auch Mosis Daisy. Ob als realer Terrier oder als Plüschtier, wollen die Beteiligten jedoch noch nicht verraten.

Uraufführung am 23. August um 20 Uhr. Karten kosten zwischen 9 und 21 Euro. Weitere Termine: 25., 26. 30., 31. August sowie 1., 2., 6. - 9., 13. - 15. September

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