Stadtleben : Niemals aus der Puste

Seit 20 Jahren ist Jörg Strodthoff eine Institution in Wilmersdorf - und weit darüber hinaus: Er ist der Kantor der Auenkirche, die als Ort für hochklassige Konzerte gilt.

Heidemarie Mazuhn

Er hätte das Zeug zum Manager. Auch zum Konzertveranstalter, allemal zum Dirigenten, Chorleiter und Komponisten. Jörg Strodthoff wurde alles zusammen – er ist Kantor und Organist. Um diese sogenannte A-Stelle an der evangelischen Auenkirche in Wilmersdorf bewarb sich der gebürtige Hannoveraner vor ziemlich genau 20 Jahren: Am 1. Januar 1989 trat Strodthoff seinen Dienst an.

Zum großen Jubiläum werden ihm daher am Donnerstag nach dem Neujahrsgottesdienst um 15 Uhr viele gratulieren. Und ihn loben – nicht nur für den so überreichen Kirchenmusikmonat in diesem Dezember, sondern auch für die namhaften Konzerte der Strodthoff’schen Ära überhaupt. Denn nicht nur er hatte ja damals Glück und bekam die Stelle. Auch die Auenkirchengemeinde profitierte von ihrem neuen Kantor, der seit Juni auch Kirchenmusikdirektor ist.

„Sinfonische Orgel zu Silvester“ ist am heutigen Mittwoch, 20 Uhr, das Motto, unter dem Strodthoff den „Zauber französischer Orgelromantik“ in dem 1897 eingeweihten Gotteshaus erklingen lässt, das Max Spitta im neugotischen Stil als dreischiffige Backsteinhallenkirche baute. Mit einer Akustik, von der auch Rundfunkübertragungen und Platteneinspielungen profitierten – sechs CDs erschienen in Strodthoffs bisheriger Amtszeit aus der Auenkirche.

Um ihren erfolgreichen Kantor muss die Gemeinde nicht zittern. „Ich bin schwer vermittelbar“, kokettiert der Musiker mit seinen 49 Jahren. Die Kraft für ein über einstündiges Orgelkonzert ohne Pause holt er sich im Fitnessstudio. Ohne Kondition wäre sein Pensum nicht nur in der alljährlichen Hoch-Arbeitszeit als Kantor und Leiter des von ihm handverlesenen Kammerchors, des großen Chors und des Bläserkreises wohl nicht zu schaffen. Allein an Heiligabend gestaltete er musikalisch fünf Gottesdienste.

Da braucht es neben Vertrauen in sich selbst auch das in Gott – Strodthoff bekennt sich als Lutheraner. Als der Sohn aus höherem Beamtenhaushalt mit neun Jahren ins Bismarck-Gymnasium eingeschult wurde, entdeckte er in der Aula eine Orgel. „So eine wie in der Kirche, das fand ich toll“, erinnert sich Strodthoff an den danach begonnenen Orgelunterricht in Hannover. Dort studierte er später an der Hochschule für Musik und Theater und verdiente mit 18 Jahren nebenbei erstmals Geld als Organist in den Kirchen Hannovers.

Lob gebührt dem Kantor aber auch für die 220 000 Euro, die er in den vergangenen 19 Jahren als Spenden für die Auen-Orgel  akquirierte. „Jetzt fehlen nur noch 50 000 Euro“, sagt er, „um die Orgel mit 89 Registern komplett in Schuss zu bringen.“
Auenkirche, Wilhelmsaue 119, Wilmersdorf. Eintritt frei. Um Spenden wird gebeten. Im Netz: www. auenkirche.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar